Miss Congeniality 2
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Interview

Sandra Bullock über Miss Congeniality 2

«Es dreht sich alles um das Haar-Styling, es geht im Leben nur darum.»

Cinergy: Hallo Sandra, es ist immer ein Vergnügen, Sie zu treffen. Das Phantastische an MISS UNDERCOVER 2 ist, dass es auch nach dem Ende des ersten Filmes noch so viel im Zweiten zu erzählen gibt. Das zeigt, dass es sich um eine interessante Charakterrolle handelt...

Bullock: ...und auch um ein tolles Drehbuch. Unser Drehbuchautor Marc Lawrence ist einfach irrsinnig, wirklich irrsinnig. Aber sind wir das nicht alle? Wir wussten damals nicht, dass wir eine Fortsetzung machen würden. Wir konnten ja nicht wissen, was der erste Film alles bewirken würde. Ich glaube, das war auch ganz gut so. Auf uns lag nie der Druck einer Fortsetzung und wir wussten nichts vom Weg, der uns bevorstand. Deshalb entstand das Sequel auf eine ganz lockere Art und Weise, einfach durch Gespräche zwischen Marc und mir.

Cinergy: Das war wirklich ein sehr spannender Verlauf. Sie selber scheinen kein Star zu sein, der sich im ganzen Berühmtsein verliert - gerade dies passiert aber Gracie. Hatten Sie trotzdem auch schon solche Gefühle?

Bullock: Das passiert jedem. Es spielt keine Rolle, wie stark man ist. Jeder gelangt an den Punkt, wo sehr viele Leute einem sagen, was man machen soll. Leute, die scheinbar mehr wissen als man selbst. Ich kann dazu nur sagen: Ein halbes Prozent dieser Leute wissen wirklich, wovon sie sprechen. Die Restlichen wollen durch die Ratschläge, die sie einem erteilen, nur Vorteile für sich selber erzielen. Aber das begreift man selber nicht. Zu Beginn ist man einfach mal froh, dass man einen Job hat. Und man denkt: Diese Leute wissen offensichtlich, wovon sie sprechen. Am Anfang bin ich auch in diese Richtung gegangen - das sind keine Fehler. Aber hoffentlich merkt man aber auf diesem Weg, dass es nicht der eigene ist und man sich deshalb so mies fühlt. Das passiert allen, jedem einzelnen.

Cinergy: Ich glaube, der Film zeigt auch, dass die wahren Freunde diejenigen sind, die man schon vor dem Berühmtsein hatte. Ist das bei Ihnen auch so?

Bullock: Ich habe viele Freundschaften schon länger, als ich in diesem Business bin. Ich habe aber auch während dieser Zeit den einen oder anderen Freund mit denselben Prinzipien dazu gewonnen. Man findet Leute mit ähnlichen Moralvorstellungen wie man selbst. Man schaut, was für Freunde sie haben und wie sie sich in diesem verrückten Business verhalten. Man merkt schnell, ob es jemand ist, mit dem man sein Leben teilen möchte. Es liegt auf der Hand, mit wem man etwas gemeinsam hat und mit wem nicht. Man hat es ganz im Gefühl. Man schaut sich ihr Drumherum an und falls sie ein grosses Drumherum besitzen, sollte man lieber die Finger davon lassen.

Cinergy: Was ist mit «Drumherum» gemeint: Leute, die einem die ganze Zeit die Haare stylen? Das scheint Ihnen in letzter Zeit wohl aufgefallen zu sein...

Bullock: Es dreht sich alles um das Haar-Styling, es geht im Leben nur darum. Es spielt dabei keine Rolle, ob Mann oder Frau. Egal, wie man im Leben steht, es dreht sich alles um die Haare und wenn die Frisur nicht richtig sitzt, wird sie neu gestylt. In diesem Business gibt es ein gewisses Drumherum - man braucht ein ständiges Haar-Styling in dieser Branche, ohne geht's nicht. Aber das ganze Drumherum kann sich noch um einiges ausweiten: Es fasziniert mich, was die Leute alles machen. Wenn jemand einen entsprechenden Job hat, dann ist es gut und es gibt einen Grund. Aber es gibt viele Leute, die glänzenden Schmuck und Handys besitzen, und man weiss nicht, was sie damit überhaupt wollen. Das sind einfach Träger, Leute die solche Dinge einfach tragen.

Cinergy: Die bringen Farbe ins Leben. Gracie lernt auch etwas realistischer und zynischer zu sein, was die Liebe anbelangt. Die Liebe beginnt nicht mit dem ersten Schritt. Haben Sie dies mit ihr gemeinsam?

Bullock: Ich denke, wenn man sich selber nicht mag und es nicht aushält, einmal alleine zu sein, dann kann man dies auch nicht woanders finden. Wir beschäftigen uns zu wenig damit, dass wir mit uns selber nett sein und uns selber mögen müssen. Das klingt ganz einfach, ist aber nicht einfach umzusetzen. Wir suchen Anerkennung immer durch andere, man sollte sich aber auch selber schätzen und es ohne andere Menschen in seinem Leben aushalten können... solange man keine gleichgestellten Partner findet.

Cinergy: Beeinflusste Ihre Tätigkeit als Produzentin Ihre schauspielerische Darstellung auf eine positive oder negative Weise?

Bullock: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, es hat mir geholfen. Als Schauspieler erscheint man erst, wenn die ganze Arbeit getan ist. Man bekommt nicht mit, was vorher alles abgelaufen ist. Es hilft einem als Schauspieler sehr, zu sehen, welche Drehorte ausgesucht und wie das Drehbuch entwickelt wurden. Wenn wir früher miteinbezogen würden, könnte es einen besseren Austausch geben, als wenn wir später auftauchen und dann Dinge verlangen, deren Ausmass wir gar nicht zur Kenntnis nehmen. Wir Schauspieler sind wirklich Windelträger. Das sind wir wirklich! Dazu sind wir egoistisch! In diesem Business werden wir zu fest verhätschelt, wir bekommen zu viel. Wir müssten uns wieder härter auf die Arbeit konzentrieren, während das ganze Drumherum aber immer mehr Wichtigkeit bekommt. Alle diese Unwichtigkeiten erscheinen aber nicht auf der Leinwand.

Cinergy: Ich gehe mir den Film trotzdem nochmals anschauen. Danke, Sandra.

Bullock: Ich habe zu Danken. Vielen Dank.

Die Fragen stellte Portmann-Media

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