Memoirs of a Geisha - Filmkritik
| Aka Titel: | Die Geisha |
| Land (Jahr): | USA (2005) |
| Genre: | Drama, Romance |
| Filmlänge: | 146min |
| Regie: | Rob Marshall |
| Kinostart: | 19.01.2006 |
| 01.03.2006 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Akiva Goldsman |
Zickenkampf im Geisha-Haus
Mit «Memoirs of a Geisha» kommt eine weitere Buchverfilmung ins Kino. «Chicago»-Regisseur Rob Marshall befasst sich einmal mehr mit Rivalitäten unter Frauen - diesmal in der geheimnisvollen Welt der Geishas. Gelungen ist ihm ein auf Hochglanz poliertes Historiendrama ohne Tiefgang.
1997 publizierte Arthur Golden seinen Roman «Memoirs of a Geisha». Das Epos blieb zwei Jahre lang in der Bestsellerliste der «New York Times». Ein idealer Stoff für eine Verfilmung, dachten sich die Produzenten Lucy Fisher, Douglas Wick und Steven Spielberg, die Rob Marshall für die Verfilmung gewinnen konnten. Nicht verwunderlich, denn Goldens Geschichte über die Welt einer Geisha fasziniert. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg werden die neunjährige Chiyo (Suzuka Ohgo) und ihre Schwester von ihrer mittellosen Familie ins Vergnügungsviertel der alten Kaiserstadt Kyoto verkauft. Die Geschwister werden getrennt und Chiyo landet in einem Okiya, einem Geisha-Haus.
Die Vorsteherin des Okiyas will das kleine Mädchen mit den ungewöhnlich blauen Augen zur Geisha ausbilden lassen. Doch nach einem Fluchtversuch wird Chiyo zum Hausdienst degradiert. Ganz zur Freude der eifersüchtigen Hatsumomo (Gong Li), der erfolgreichsten Geisha dieses Okiyas. Genüsslich versäumt sie keine Gelegenheit, um ihre Launen an Chiyo auszulassen. Einzig die unerwartete Begegnung mit einem einflussreichen Geschäftsmann (Ken Watanabe), der Chiyo mit Güte behandelt, lassen das junge Mädchen wieder Hoffnung schöpfen: Nun will sie alles daran setzten, eine bekannte Geisha zu werden und den gutherzigen Geschäftsmann wieder zu sehen.
Die grossen Lieben und Leiden der Frauen sind in Marshalls Umsetzung der Buchvorlage Hauptthema. Doch irgendwie bleiben eben diese Motive an den wächsernen Masken des visuellen Pomps kleben. Bedeutende Momente in einem Geisha-Leben, wie die Mizuage, die Entjungferung, für die Gebote in Rekordhöhe gesteigert wurden, werden in kurzen und keuschen Szenen abgehandelt. Nichts erfährt man über die Ängste der Fünfzehnjährigen. Auch die Besetzung der Japanischen Figuren mit Chinesischen Schauspielerinnen sorgte für Unmut. Keine Frage, man schaut der anmutigen Michelle Yeoh und dem zauberhaften Spiel Ziyi Zhangs gerne zu. Trotzdem kommt man (auch ohne nationalistische Hintergedanken) nicht umhin zu fragen, ob es nicht genügend japanische Darstellerinnen gab, die Marshalls Kriterien entsprachen. Bestimmt hätte die Newcomerin Chiaki Kuriyama, bekannt geworden als Morgensternschwingende Gogo Yubara in «Kill Bill», eine ebenso bissige Hatsumomo abgegeben.
«Memoirs of a Geisha» wurde für den diesjährigen Golden Globe in den Kategorien «Beste Darstellerin» und «Beste Filmmusik» nominiert. Mitsamt den spektakulären Kimonos sind das drei gute Gründe, sich den Film dennoch im Kino anzusehen. [Isabelle Stüssi]
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