Harry Potter and the Goblet of Fire - Filmkritik
| Aka Titel: | Harry Potter und der Feuerkelch |
| Land (Jahr): | Grossbritannien, USA (2005) |
| Genre: | Adventure, Fantasy, Mystery, Thriller |
| Filmlänge: | 157min |
| Regie: | Mike Newell |
| Kinostart: | 17.11.2005 |
| 30.11.2005 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Steven Kloves |
Schluss mit lustig
«Es stehen schwierige Zeiten bevor, Harry», droht der englische Untertitel zu «Harry Potter and the Goblet of Fire». In der Tat: Ein Trimagisches Turnier, Lord Voldemort und die Pubertät stellen den jungen Magier vor schwere Proben.
Mit «Harry Potter» im Kino verhält es sich in gewisser Weise wie mit «James Bond»-Filmen. Die Erzählstruktur jeder Episode ähnelt sich (Ankunft in Hogwarts, Wiedersehen mit alten Freunden, Konfrontation mit dem Bösen, Abenteuer, vorläufiges Happy End). Es gibt bewährte Sympathieträger (Hagrid, Dumbledore), einen Erzbösewicht (Voldemort) und mindestens eine von Willy Bogner spektakulär inszenierte Ski-Szene. Gut, letzteres wäre bei Potter der obligate wilde Ritt auf dem Zauberbesen.
Weil der Welt liebster Zauberlehrling in «Harry Potter and the Goblet of Fire» mitten in der Pubertät steckt, kommt eine weitere Gemeinsamkeit dazu: Frauen, viele schöne Frauen. Etwa in Gestalt französischer Austausch-Hexen, die in Hogwarts zu Gast sind. Das Erwachsenwerden und die damit verbundenen Irrungen und Wirrungen stellen die Charaktere im vierten Potter-Film denn auch vor mindestens so grosse Prüfungen wie Lord Voldemort und seine Vasallen.
Ein Reifeprozess, der sich in der Abfolge der Regisseure widerspiegelt: Während die ersten beiden Teile noch vom ausgemachten Kinderfilmer Chris Columbus («Home Alone») umgesetzt wurden, kam später der für sein Teenager-Drama «Y tu mamá también» gefeierte Alfonso Cuarón an die Reihe. Nun ist es am Briten Mike Newell, der mit «Mona Lisa Smile» zuletzt das Erwachsenenpublikum bediente.
Wenn erwachsener auch düsterer bedeuten soll, macht Newell seine Sache ausgezeichnet. Sein Film beginnt mit dem Bild einer Schlange, die durch einen Totenkopf kriecht und behält die finstere Atmosphäre bis zum Ende bei. Harry (Daniel Radcliffe) wird überraschend als Kandidat für das renommierte Trimagische Turnier ausgewählt, muss gegen einen Drachen kämpfen und steht schliesslich Lord Voldemort gegenüber. Am Ende stirbt jemand und das Böse ist nicht aus der Welt geschafft.
Man kann der Potter-Erfinderin J.K. Rowling kaum genug danken, dass sie ihre jungen Leser nicht mit eindimensionalen Figuren abspeist. Und man muss die Filmproduzenten dafür loben, ihre Zuschauer nicht für dümmer als die Käufer von Rowlings Bücher zu halten. «Harry Potter and the Goblet of Fire» lebt darum von der charakterlichen Entwicklung der Protagonisten ebenso wie von spannenden Action-Sequenzen.
Nimmt man dazu noch den hervorragenden Cast und das gelungene Setdesign, hat man es trotz einigen Durchhängern auf über zwei Stunden Länge mit einem fast perfekten Film zu tun. Hier wird noch mit Liebe und Geschmack gearbeitet. Nur so als Beispiel: An Harrys Schulball spielt keine beliebige Boyband, sondern eine Supergroup bestehend aus Pulps Jarvis Cocker und weiteren Mitgliedern von Pulp, Radiohead und Add N to (X). [Jürg Tschirren]
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