C.R.A.Z.Y. - Filmkritik
| Aka Titel: | C.R.A.Z.Y. - Verrücktes Leben |
| Land (Jahr): | Kanada (2005) |
| Genre: | Drama |
| Filmlänge: | 129min |
| Regie: | Jean-Marc Vallée |
| Kinostart: | 01.06.2006 |
| 03.05.2006 (Romandie) | |
| Kamera: | Pierre Mignot |
Der verlorene Sohn
In Anlehnung an die Erlebnisse von Co-Autor François Boulay schrieb und verfilmte der franko-kanadische Regisseur Jean-Michel Vallée mit «C.R.A.Z.Y.» ein Familiendrama, das während der 60er-, 70er- und frühen 80er-Jahre spielt und eine gestörte Vater-Sohn-Beziehung thematisiert.
Weil Zachary (als Kind: Vallées Sohn Emile, als Teen: Marc-André Grondin) mit einem (Kains)Mal und an Weihnachten 1960 geboren wird, ist seine Andersartigkeit innerhalb der (noch) 6-köpfigen Quebecer Familie Beaulieu gleich von Beginn weg festgeschrieben. So wird er von seiner religiösen Mutter (Danielle Proulx) als Heilsbringer vergöttert und von seinem Büezer-Vater Gervais (ausgezeichnet: Michel Côté) zum Liebling erklärt. Diese Sonderrolle weckt aber gleichzeitig den Neid der älteren Brüder Christian (der Intellektuelle), Raymond (der Schläger und Drogenabhängige) und Antoine (der Sportler und hysterische Furzer). Ist Zacs Andersartigkeit zuerst vor allem eine symbolische, treibt seine früh erwachte Homosexualität bald einen handfesten Keil zwischen Vater und Sohn.
Während der Vater standhaft seinem verstaubten Musikgeschmack frönt, besteigt Zac eine Mode-, Musik- und Drogen-Achterbahn, die ihn durch die 60er-, 70er- und frühen 80er-Jahre führt: Mit Rolling Stones' «Sympathy for the Devil» im Ohr rebelliert er gegen die Zwänge der katholischen Kirche bzw. Eltern und beschreitet dann mit David Bowies «Space Oddity» Neuland. Doch obwohl diese Rebellion seine Abnabelung vom Elternhaus einleitet, vermag sich Zac sein Schwulsein weder einzugestehen noch zu leben, zu gross ist die Angst davor, vom starken Vater verstossen zu werden. Eine Reise ins gelobte Land Israel lässt Zac endlich zu sich selbst finden. Und als Gervais Beaulieu durch den Tod eines nahen Familienmitglieds geläutert wird, steht einer Versöhnung zwischen Vater und Sohn nichts mehr im Weg.
Der Titel des Films «C.R.A.Z.Y.» setzt sich aus den Initialen der fünf Söhne der Beaulieus zusammen. Damit rückt Regisseur Jean-Michel Vallée den Fokus klar auf die Familienbande, die während der 127-Minuten-Filmdauer mal enger, dann wieder loser werden, bis sie ganz zu reissen drohen. Dass dabei vor allem die Söhne Raymond und Zac Profil gewinnen, liegt daran, dass sie Kontrastpunkte zur sonst «funktionierenden» Familie setzen: Zac mit seiner Homosexualität und Raymond mit seinen Gewaltausbrüchen und Drogenabstürzen. Vallée geht es in seinem Film hauptsächlich darum, wie er sagt, «ein Bewusstsein für Aussenseiter» zu schaffen. Themen wie Homosexualität oder Drogensucht werden nicht besonders vertieft behandelt; vielmehr dienen sie dem Regisseur als oberflächliches Kontrastmittel, um die gestörten Beziehungen innerhalb der Familie besser illustrieren zu können. «C.R.A.Z.Y.» ist daher weniger ein Schwulen- oder Drogendrama als vielmehr die farbige Entwicklungsgeschichte einer seltsamen Familie.
Und obwohl der Film Längen hat und die Anspielungen auf christliche Symbolik teilweise Überhand nehmen, ist «C.R.A.Z.Y.» punkto Mode, Musik und Zeitgefühl eine gelungene Zeitreise durch die 60er-, 70er- und frühen 80er-Jahre. Diese Mischung machte den Film 2005 zum Liebling des Toronto-Filmfestivals und brachte der Familiengeschichte 10 Genie-Awards (= kanadische Oscars) ein. [Monique Brunner]
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Beatrice: gut gespielt, aber ein bisschen sehr klischéehaft... |


