Broken Flowers - Interview
| Land (Jahr): | Frankreich, USA (2005) |
| Genre: | Comedy, Drama |
| Filmlänge: | 106min |
| Regie: | Jim Jarmusch |
| Kinostart: | 10.11.2005 |
| 07.09.2005 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Jim Jarmusch |
Bill Murray über Broken Flowers
«Das Wichtigste ist ein gutes Drehbuch und ein guter Regisseur dazu - dann kann man richtig loslegen!»
Cineman: Hallo Bill, schön Sie wiederzusehen. «Broken Flowers» ist ein grossartiger Film, der einem einen Einblick in die Gedankenwelt von Männern und Frauen gewährt. Ich weiss nicht, wie, aber der Regisseur hat es geschafft. Finden Sie nicht auch?
Murray: Ich finde, er hat etwas Grossartiges erreicht. Es freut mich, das von Ihnen zu hören. Es ist schön, dass der Film den Frauen gestern abend (Filmpremiere L.A.) gefiel. Der Film handelt von jemandem, der in die Vergangenheit zurückkehrt und in vergangene Liebschaften eintaucht, um etwas heraus zu finden. Ich denke, jeder hat schon mal daran gedacht oder davon geträumt, dies zu tun. Sowohl Männer als auch Frauen. Man möchte herausfinden, was mit diesem oder jenem passiert ist. Es war eine interessante Aufgabe als Schauspieler. Mir gefällt der Film - Jim Jarmusch hat Grossartiges geleistet. Ich sass neben ihm und ich wollte einfach nur sagen: «Mann, ist der Film gut! Ich wollte dich nicht stören, aber er ist einfach gut!» Das Ende war so... kraftvoll! Das Publikum atmete auf und ich dachte: «Das ist wirklich ein guter Film, das ist schon etwas!»
Der Kerl durchlebt eine Gefühlsreise. Er ist ein Typ, der seine Gefühle weder ausdrücken noch verstehen kann. Es ist als Schauspieler bestimmt eine Herausforderung, sich ruhig zu verhalten, während man innerlich explodiert...
Ja, es war einmal etwas anderes. Der Film bestand nur aus Reaktionen - es gab weder Actionszenen, noch konnte ich selber die Handlungen steuern. Ich musste mich bemühen, so zu reagieren, wie die Leute auf mich reagierten. Nach etwa sechs Tagen merkte ich, dass es ziemlich schwierig ist. Das habe ich noch nie getan. Meistens handelt man doch irgendwie. Diesmal musste ich mich hinsetzten und warten, bis die anderen zu mir kamen.
Erfordert diese Filmart eine engere Zusammenarbeit mit dem Regisseur?
Obwohl Jarmusch das Drehbuch schrieb und ich wusste, was ich sagen musste, waren wir immer wieder überrascht, was passierte. Man hält immer wieder inne, um zu sehen, wie es weiter gehen soll. Es war unglaublich, wie viele verschiedene Gefühle aufkamen. Wir wussten, dass es viele Emotionen geben würde, aber deren Vielfältigkeit überraschte uns. Wir spielten die Szenen, wussten aber nicht, was passieren würde und was wir auslösen würden. Wenn der eine auf eine Weise spielt, reagiert der andere aufgrund seiner persönlichen Geschichte. Die Situationen, die entstehen, können sehr stark, kraftvoll aber auch schmerzhaft sein. Man muss als ehemaliger Liebhaber reagieren, wie man es selber in dieser Situation getan hätte. Dann denkt man: «Meine Güte, was ist damals bloss passiert?!» Der Filmdreh war schon sehr intim! Jim Jarmusch kümmerte sich aber um alle und schaute, dass alles in Ordnung war. Es war nicht unangenehm, aber es geschah viel Unerwartetes und es kamen viele echte Gefühle zum Vorschein. Es war ein grosses Vergnügen, aber es war auch sehr anstrengend, diesen Film zu drehen. Ich war trotz allem hoch erfreut, dass ich für den Film angefragt wurde.
Als erfahrener Schauspieler haben Sie schon viele Drehbücher gelesen. Was können Sie über die Begeisterung erzählen, die beim Lesen der ersten Sätze eines guten Scripts aufkommt?
Man kann nur hoffen. Es gibt so viele schlechte Drehbücher. Wenn man ein gutes Script erhält und gleichzeitig weiss, dass ein guter Regisseur den Film dreht, dann kann man hoffen, dass etwas Gutes entsteht. Auch bei den besten Voraussetzungen muss es nicht heissen, dass dies der Fall ist. Das Wichtigste ist ein gutes Drehbuch und ein guter Regisseur dazu - dann kann man richtig loslegen! Das konnte ich diesmal und Jim schaute, dass es gut aussah.
[Bill Murray wurde interviewt von portmann-media]
weitersagen

