Brokeback Mountain - Interview
| Land (Jahr): | USA (2005) |
| Genre: | Drama, Romance |
| Filmlänge: | 134min |
| Regie: | Ang Lee |
| Kinostart: | 16.02.2006 |
| 18.01.2006 (Romandie) | |
| 27.01.2006 (Tessin) |
«Mich interessieren die Gefühle, die Menschen füreinander empfinden.»
Regisseur Ang Lee erklärt, wie man aus einer dreiseitigen Literaturvorlage einen abendfüllenden Film macht.
Cineman: Hallo Ang, es ist schön, Sie hier am Filmfestival Venedig wegen «Brokeback Mountain» zu treffen. Der Film basiert auf einem Buch, verliert sich jedoch nicht in der Sentimentalität. War die filmische Umsetzung schwierig?
Lee: Nichts ist einfach. Das Schwierigste daran war, dass es sich nicht um eine Novelle handelt, sondern um eine dreiseitige Kurzgeschichte. Aber tolle drei Seiten! Wir haben diese in einen realistisch aussehenden Film verwandelt. Ursprünglich sollten es kurze Szenen sein, ein kleines Epos eben, 20 Jahre später mit dieser unglaublichen Landschaft musste der Film eindrücklich und perfekt sein. Diese Mischung war nicht einfach hinzukriegen. Die wichtigste Eigenschaft fehlt, die Liebe! Er merkt das erst im Nachhinein. Auch das war schwierig umzusetzen - aus der Sicht des Filmschaffenden. Es sieht einfach aus, ist aber schwierig zu verwirklichen. Man verfilmt etwas, das fehlt.
Die ganzen Intimitäten wurden sehr theatralisch umgesetzt - die feinen Gesichtsaudrücke als Gegensatz zur imposanten Landschaft. Gefällt es Ihnen, diese beiden Aspekte zu vereinen?
Es gefällt mir sehr, da draussen zu sein. Mühsam ist nur der Umgang mit dem Wetter, das viele Reisen und die ganze Logistik. Es ist wie in amerikanischen Western, in denen sie auch die Landschaft als Hintergrund der Dramen verwendeten - das haben die Amerikaner jeweils sehr gut gemacht. Wir machten zwar keinen Western in dem Sinne, aber die Landschaft ist auch ein wichtiger Bestandteil und zudem glücklicherweise frei und gratis! Wenn das Drama beginnt, wird es schnell sehr privat - das gefällt mir. Mein Herz schlägt für Dramen, egal, ob es in einem grossen oder kleinen Raum stattfindet. Mich interessieren die Gefühle, die Menschen füreinander empfinden. In diesem Film geht es um eine männerbestimmte Welt, Tiere und eine Macho-Kultur, die eine Hürde für eine Verbindung darstellt. Gleichzeitig macht diese vollkommene Privatsphäre das Ganze auch so romantisch.
Wie stark haben diese Hintergründe sowie die Landschaft Sie beeinflusst?
Von der Logistik her war es schwierig, aber eine menschenleere Gegend kann sehr schön sein. Man ist dort als Mensch und kreiert eine Szene - das ist sehr aufregend. Es war einfach wundervoll! Leider musste ich die Zeit im Griff haben und schauen, dass wir den Terminplan einhielten.
[Ang Lee wurde interviewt von Portmann Media]
«In den intimeren Szenen hielten wir einfach die Luft an.»
Jungstar Jake Gyllenhaal spricht darüber, wie es war, einen homosexuellen Cowboy zu spielen.
Cineman: Hallo Jake, es ist ein Vergnügen, Sie hier am Filmfestival Venedig zu treffen. Sie sind zum ersten Mal mit dabei. Wie gefällt es Ihnen?
Gyllenhaal: Ich bin erst gestern angekommen und geniesse momentan noch meinen Jet-Lag. Es ist wunderschön hier, ich kann mich nicht beklagen.
«Brokeback Mountain» ist eine reizende Liebesgeschichte über Menschen, die ihr Leben nicht so leben konnten, wie sie es sich wünschten. Was hatten Sie für einen ersten Eindruck, als Sie das Drehbuch lasen?
Einige Jahre bevor Ang Lee mit dem Drehbuch zu mir kam, hatte ich es schon einmal gelesen. Zuerst machte es mir ein wenig Angst und ich verstand es nicht. Ich war damals auch noch sehr jung, ich war siebzehn. Das ist irgendwie verständlich. Als Ang damit zu mir kam, habe ich es nochmals gelesen. Weil ich wusste, dass er Regie führen würde und ich sowohl seine Filme als auch seine Art, wie er mit Themen umgeht, kannte, fand ich die Geschichte sehr berührend. Ich musste einfach mitmachen. Ich traf Ang, sagte ihm zu und einige Wochen später war ich dabei. So einfach war das!
Im Film geht es um versteckte Gefühle und um Männer, deren wahres Leben ein Geheimnis ist. Wie taucht man in eine Rolle ein, die zwei Gesichter besitzt?
Ich denke, im Vordergrund steht, dass das Drehbuch von E. Annie Proulx sowie Larry McMurtry geschrieben und der Film von James Schamus produziert wurde. Es ging nicht einfach darum, in eine Figur mit zwei Gesichtern, die ein Geheimnis mit sich trägt, einzutauchen. Es war bereits alles vorgegeben. Der Weg war bereits vorgeebnet und wir mussten ihn einfach begehen. Sie gaben uns einen Mantel und wir mussten ihn nur noch anziehen. Es war von Beginn an eine Zusammenarbeit. Es gab keine grossen Recherchen, wir gingen einfach drauf los. In den intimeren Szenen hielten wir einfach die Luft an und dann ging es. Wir folgten einem geradlinigen Weg - wir schwenkten weder zu fest auf die Seite der Sexualität noch auf die andere ab. Weder das eine noch das andere wäre das Richtige gewesen.
[Jake Gyllenhaal wurde interviewt von Portmann Media]
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