| Land (Jahr): | Österreich (2004) |
| Genre: | Thriller |
| Filmlänge: | 110min |
| Regie: | Wolfgang Murnberger |
| Kinostart: | 24.03.2005 |
| Drehbuch: | Wolf Haas |
| Verleih: | Frenetic Films |
Weltgericht in der Provinz
Zusammen mit Regisseur Wolfgang Murnberger hat der famose Josef Hader mit «Silentium» einen Endzeit-Thriller der Sonderklasse geschaffen.
Bös lädiert wird Simon Brenner (Josef Hader) nach geschlagener Schlacht von seinem Kumpel Berti (Simon Schwarz) durch dunkle Salzburger Strassen geschleppt. «Gibs auf Brenner. Das hier ist Salzburg», sagt Berti zum Freund. Erstaunlich ist nicht der Umstand, dass die Macher von «Silentium» hier Polanskis «Chinatown» zitieren, es fasziniert vielmehr die Souveränität, mit der dies geschieht.
Bedrohlich nah dran an einem grauenhaften Provinz-Salzburg, in dem ein zäher Filz aus Kirche, Politik und Hochkultur für Ruhe und Ordnung sorgt, öffnet «Silentium» den Blick aufs Ganze: das heisst auf die Bedingungen, unter welchen aus dem System Gefallene um ihr Überleben kämpfen müssen. Im wüsten Land lebt entwurzelt einer wie Simon Brenner, der nicht wegschauen mochte und deshalb mit dem Sturz ins Bodenlose bestraft wurde.
Bevor allerdings Brenner auf den Plan tritt, erleben wir, wie ein Mitglied der Salzburger Elite aus dem Paradies entfernt wird. Killer stossen den Mann vom Mönchsberg hinab in die Altstadt. Zerschmettert liegt er danach auf den Dächern der Mozart-Stadt. Der Mann hatte auspacken wollen über seine Erfahrungen als Schüler im katholischen Internat, klagen über den Bischof und dessen Neigungen.
Fleischlich geht es weiter im Supermarkt, in dem Ladendetektiv Brenner eine Dame beim BH-Klau beobachtet. Als er sie stellen will, wird es handgreiflich. Weil es sich bei der Diebin um die Tochter des Festspielleiters handelt, erhält sie vom Manager freies Geleit, während Brenner fristlos entlassen wird. Später wird sich dieselbe Dame dem Ex-Polizisten als trauernde Witwe zu erkennen geben. Es war ihr Mann gewesen, dessen Sturz wir eingangs erlebten. Jetzt zieht sie in Zweifel, dass es, wie offiziell festgestellt, Selbstmord war und engagiert Brenner, um Licht in die Affäre zu bringen. Der verbeisst sich anschliessend in den Fall und bringt damit nicht nur den alt-neuen Partner aus Wiener Tagen, Berti, in höchste Gefahr. Auch die vorerst vornehm zurückhaltenden Salzburger Notablen erkennen, was ihnen vom Ex-Ermittler droht, und greifen deshalb zu drastischen Mitteln.
Salzburg als kitschiges Barock-Höllenloch ist als Schauplatz perfekt gewählt, und Josef Hader agiert als Brenner so überzeugend, dass er mit seiner Präsenz einen ganzen Film zu tragen versteht. Vorbei sind die Zeiten, als man beim Kino-Hader zuerst den Kabarettisten, und nur in zweiter Linie den Charakterschauspieler sah. Wo andere mit der Pose des Losers bloss kokettieren, da gibt Hader mit Sarkasmus und feinem Understatement dem Verlierertyp im Kino seine Würde zurück.
[Benedikt Eppenberger]
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Andreas: langatmig, um Originalität bemüht, alle Cliches au... |

