Ein wenig seltsam mutet es schon an, wenn Regisseure wie Danny Boyle oder Quentin Tarantino bei «Night Watch» Namen wie Ridley Scott oder Andrei Tarkovsky bemühen. Gut, die Filme des letzteren spielten auch in Russland. Aber damit hat es sich auch schon mit den Gemeinsamkeiten zwischen Tarkovskys metaphysischen Exkursen und dem Fantasy-Spektakel von Timur Bekmambetov. Es kommt schliesslich auch niemand auf die Idee, Roman Polanskis «The Tenant» zu zitieren, nur weil zu Beginn des Filmes einer an eine Haustüre klopft.
Der um Einlass bittet heisst Anton Gorodetsky (Konstantin Khabensky, in Russland ein Superstar). Und die Tür, an die er klopft, gehört einer Hexe. Anton beauftragt sie, das ungeborene Kind seiner ehemaligen Freundin zu töten. Doch bevor die Frau ihre Magie einsetzen kann, wird die Wohnung von drei finsteren Typen gestürmt und wir befinden uns mitten in einem jahrhundertealten Konflikt. Denn, so lehrt uns «Night Watch», es gibt einen tausendjährigen Waffenstillstand zwischen den Hütern des Lichts und den Wächtern der Finsternis - zwischen Gut und Böse, in anderen Worten. Die übersinnlich begabten Guten (Formwandler und Hellseher) beschützen die Menschheit in der Nacht vor den Dunklen Anderen (Vampire et al.). Auch Anton erfährt, dass er kein normaler Mensch ist. Schnitt. 12 Jahre später sehen wir ihn als Agenten des Lichts darauf warten, dass ein Anderer kommt, der mächtiger ist als alle Anderen zuvor und die Balance zwischen Gut und Böse für immer verschieben wird.
Fantasy-Geschichten scheinen dieser Tage nicht ohne eine teleologisch begründete Erlöserfigur auszukommen; sei es ein Ring («The Lord of the Rings»), ein Neo («The Matrix») oder wie im vorliegenden Fall ein übermächtiges Wesen, das die Geschichte zu ihrem Ende bringt. Nicht nur in dieser Hinsicht scheint «Night Watch» wenig originell. Den Kampf zwischen verfeindeten Fraktionen von übernatürlich Begabten kennt man zuletzt aus «Underworld» oder «Constantine». Und die Bildwelten, die uns Regisseur Timur Bekmambetov vorsetzt, hat man bei seinen Kollegen David Fincher" oder Jean-Pierre Jeunet schon schöner gesehen.
Statt für jede zweite Szene den Special-Effects Computer aufzustarten, hätte sich Bekmambetov besser um seine Story gekümmert. Da werden nämlich wichtige Plot-Linien mit an den Haaren herbeigezogenen Lösungen beerdigt, während der eigentliche Showdown kaum mehr für Spannung sorgt. Das mag auch daran liegen, dass «Night Watch» ein auf drei Teile angelegtes Epos ist. Der Nachfolger befindet sich - nachdem der erste Teil allein in Russland ein Vielfaches seiner Produktionskosten einspielte - bereits in der Post-Production. Ob sich der Grosserfolg dieser (w)irren Achterbahnfahrt zwischen Fantasy und Horror auch im Ausland wiederholen wird, ist allerdings zu bezweifeln.