Mysterious Skin
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Filmkritik

Unter die Haut

Der Babystricher Neil und der verstörte Brian gehen auf der Suche nach ihrem eigenen Ich Wege, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Als sie aufeinander stossen merken sie, dass die gemeinsame Aufarbeitung ihrer Kindheit die Lösung zu ihren Problemen sein könnte.

Als Brian (Brady Corbet) mit blutiger Nase in einer Höhle aufwacht, hat der Achtjährige keine Ahnung mehr, was mit ihm passiert ist. Seither lebt er in ständiger Angst vor der Dunkelheit und wird von Albträumen und Ohnmacht heimgesucht. Zehn Jahre später ist er überzeugt, dass er von Aliens entführt wurde. Er glaubt, einzig der mysteriöse 18-jährige Aussenseiter und Beau Neil (Joseph Gordon-Levitt) könne ihn retten. Dieser verkauft jedoch lieber seinen Körper, als sich auf Zwischenmenschliches einzulassen. Während Neils sexueller Entdeckungsdrang ihn nach New York führt, findet Brian auf der Suche nach seiner eigenen Identität zu Neil. Bald wird beiden klar, dass sich ihre Irrungen und Wirrungen nur mittels Aufarbeitung der gemeinsamen Vergangenheit kurieren lassen.

Der bi-sexuelle, asiatisch-amerikanische Skandalregisseur Gregg Araki hat mit seinem achten Film zum ersten Mal die Geschichte eines anderen Autors verfilmt. Scott Heims poetischen Roman mit seinen dunklen und kontroversen Komponenten zu realisieren sei ihm erst nach mehrjährigen Experimenten mit der subjektiven Kamera gelungen. So zeigt er jetzt die Perspektive der Kinder und Jugendlichen aus nächster Nähe und verleiht dem Zuschauer das Gefühl, in der unbequemen Haut der vorstädtisch-mittelständischen Jugendlichen zu stecken. Araki gelingt es damit vorzüglich, Verletzlichkeit und fehlende Kontrolle der Protagonisten in ein beklemmendes Filmerlebnis zu verpacken. Den Vorwurf, seine Hauptfiguren nicht tiefgründig genug zu skizzieren, muss er sich aber auch diesmal wieder gefallen lassen. Ganz im Gegensatz dazu gehen die impliziten Gewalttätigkeiten und harten, homosexuellen Akte nicht selten an die Grenze des Zumutbaren.

Trotz dieser schwer verdaulichen Darstellungen und der Schilderung pädophiler Verführungstaktikten, worüber sich einige Kinderschutzorganisationen rund um den Globus enervierten, ist «Mysterious Skin» mehr als eine simple Provokation eines Enfant Terrible. Vor allem Dank der soliden Leistung der Schauspieler, der technischen Versiertheit des Regisseurs und der geschickten Verwebung der Erzählstränge fährt der Film wortwörtlich unter die Haut und lehrt einen das Schaudern. Fast schon versöhnlich ist hingegen der Auftritt von Elisabeth Shue, der Prostituierten aus «Leaving Las Vegas». Obwohl man sich das Wiedersehen in einem extremen Film etwas intensiver vorgestellt hätte, ist sie in der Nebenrolle als Neils Mutter quasi die Sahne auf dieser durch und durch ästhetisierten Kost. Bei Geniessern mit schwachen Nerven ist allerdings auf die Nebenwirkungen hinzuweisen, welche sich im Drang zum vorzeitigen Verlassen des Kinos manifestieren könnten.

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3 Kommentare
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Shaye

Faszinierender Mystery-Thriller. Hut ab vor der schauspielerischen Leistung von Gordon-Levitt! Sehr beeindruckend, dramatisch und auf eine abwegige Art und Weise fesselnd
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Clod

Bitter. Wie kann die die New York Times schreiben: "Einzigartig, voller Zärtlichkeit und Schönheit"? Der Film ist eher ernüchternd und brutal. Zärtlichkeit und Schönheit wird durch eine beklemmende St...
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RENE

Einer der besten Filme des Jahres. ich war stark beeindruckt von diesem kraftvollen Drama. Ein schockierender Film den man nicht verpassen sollte.

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