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| Wider die sozialen Ungerechtigkeiten |
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Viele vergessen rasch die Leiden(-schaften) der Jugend, kaum überschreiten sie die dreissig. Regisseur Hans Weingartner aber blickt mit Klarheit, Verständnis und vor allem mit Respekt zehn Jahre zurück und findet ernst gemeintes politisches Engagement, das nichts Lächerliches an sich hat.
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Schon mit seinem Diplomfilm «Das weisse Rauschen», der Geschichte eines schizophrenen Jugendlichen, machte Weingartner auf sich aufmerksam - und fand den Weg in unsere Kinos. Wie bei seinem Erstling spielt auch in «Die fetten Jahre sind vorbei» Daniel Brühl («Good Bye, Lenin!»), einmal mehr zurückgenommen und zugleich mit höchster Intensität.
Der von ihm verkörperte Jan bricht öfters mal mit seinem besten Freund Peter (Vincent Gallo-Doppelgänger Stipe Erceg) in Villen ein, um deren Besitzer aufzurütteln. Sie klauen nichts, doch sie rücken die Möbel zu wahren Dada-Kunstwerken um und hinterlassen verstörende Nachrichten: «Sie haben zu viel Geld. Die Erziehungsdirektion» oder «Die fetten Jahre sind vorbei». Als Jan eines Nachts Peters Freundin Jule (Julia Jentsch) einweiht, überstürzen sich die Ereignisse.
Die beiden - mittlerweile verliebt - brechen bei Hardenberg (Burghart Klaussner) ein, dessen Auto Jule zu Schrott gefahren hat. Während ihr Leben durch Schulden verbaut ist, hortet er weitere Luxuskarrossen. Unverhofft kommt Hardenberg aus dem Urlaub zurück - und erkennt Jule. Peter eilt zu Hilfe, und zu dritt entführen sie den Bonzen nach Österreich.
In einer Berghütte kommen sich die jungen «Erziehungsberechtigten» und der Multimillionär näher - Hardenberg ist ausgerechnet ein Alt-Achtundsechziger. Auch wenn er seinen Entführern mit Arroganz ihren naiven Idealismus ankreidet, wird er beim gemeinsamen Kiffen schon mal wehmütig. Wie konnte er als einstiger Anprangerer sozialer Ungerechtigkeiten so in die Konsumfalle tappen, wie konnte es so weit kommen, dass ihm die Zeit fehlt, sein Geld auszugeben?
Als Peter die Beziehung zwischen Jan und Jule entdeckt, kommt es zum Bruch - da kann Hardenberg noch so von freier Liebe schwafeln. Doch in der ehrlichen Versöhnung der drei liegt die Stärke: Im Gegensatz zur Generation, die der sexuellen Revolution huldigte, benennen sie den Schmerz, ohne dabei ihre politischen Ziele zu vergessen.
Eine digitale Handkamera erlaubte einen möglichst unkomplizierten Dreh, und es liegt nicht zuletzt am ausgezeichneten Schauspiel, dass das Engagement der drei immer ernst wirkt und nötig - auch wenn gleichzeitig Hardenberg das politische Scheitern der Linken verkörpert. Zwar vermisst Jule, die einsamste der drei, eine geeinte politische Bewegung und drückt damit eine Nostalgie nach Nicht-Gekanntem aus, eine Wehmut, nicht früher geboren zu sein. Doch im Kleinen, so Jan, könnten sie was ändern, und dafür lohnt sich die Energie. Selbst wenn sie zu selbstgerechten Karrieristen wie Haderberg werden sollten, sie haben wenigstens einmal etwas getan gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt.
Es liegt eine Dringlichkeit in diesem Film, die aufrüttelt - schliesslich hat man auch jenseits der dreissig ein Gewissen und kann sich einsetzen für die Benachteiligten dieser Welt. [Flavia Giorgetta]
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| Originaltitel: |
Die fetten Jahre sind vorbei |
| Filmlänge: |
126min |
| Land (Jahr): |
Deutschland (2004) |
| Genre: |
Drama, Liebesfilm |
| Besetzung: |
Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg, Burghart Klaussner, Peer Martiny, Petra Zieser, Laura Schmidt, Sebastian Butz, Oliver Bröcker, Knut Berger, Hanns Zischler, Claudio Caiolo, Bernhard Bettermann, Sylvia Haider, Claudia Jakobshagen |
| Regie: |
Hans Weingartner |
| Drehbuch: |
Katharina Held, Hans Weingartner |
| Verleih: |
Filmcoopi Zürich |
| Startdatum: |
02.12.2004 (Deutschschweiz) 02.03.2005 (Romandie) |
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