Diarios de motocicleta - Filmkritik
| Aka Titel: | Die Reise des jungen Che |
| Land (Jahr): | USA (2004) |
| Genre: | Drama |
| Filmlänge: | 128min |
| Regie: | Walter Salles |
| Kinostart: | 07.10.2004 |
| 08.09.2004 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Alberto Granado |
Selbstfindung eines Revoluzzers
Bob Marley an der Wand, Che Guevara auf dem roten T-Shirt - Klassiker in einem anständigen Jugendzimmer. Doch wie hat Che selbst sein frühes Mannesalter verbracht? Motorradfahrend, auf Erkundungsabenteuer in Südamerika, und natürlich auf Miezen-Jagd. Walter Salles liefert ein Roadmovie über die Selbstfindung eines Revoluzzers. Politisches Interesse ist dabei nicht einmal Voraussetzung.
Szenen aus einem gutbürgerlichen Familienleben: In den frühen Fünfzigern bricht Sohn Ernesto «Che» Guevara (Gael Garcia Bernal - «Amores Perros») mit einem Freund, dem Biochemiker Alberto Granado (Rodrigo De La Serna), zu einer Motorrad-Reise auf, quer durch den südamerikanischen Kontinent, von Argentinien nach Venezuela. Vergnügen und Abenteuerlust sind ihre Motivation. Zu diesem Zeitpunkt ist der 23-jährige «Che» immer noch Medizinstudent, von Asthma geplagt, ziellos und uninspiriert, was seine Zukunft anbelangt.
Für's Auge wirft «Diarios de motocicleta» von Beginn weg alles ab, was das Herz begehrt: Die Landschaften sind atemberaubend, und das «Duo infernale» - der etwas feiste und oftmals dreiste Alberto und der propere, hübsche Ernesto - auf dem völlig überladenen Schrotthaufen von einem Motorrad sieht jederzeit umwerfend gut aus.
Trotzdem kommen die Diarios anfänglich nicht sonderlich gut in Fahrt. Die Episoden - meist mit einem kleinen, aber nicht weiter tragischen Malheur oder Unfall im Zentrum und etwas aufgepeppt mit knusprigen Latinas - scheinen strukturlos aneinandergereiht.
Doch glücklicherweise ist dieses Zeitzeugnis, das auf den Tagebüchern basiert, die Che während seiner Reise schrieb, nicht in Drehbuch-Dramatik zurechtgekämmt. Wie schon in «Behind the Sun» beweist Regisseur Walter Salles erneut, dass er einen sicheren Instinkt für Zeitmanagement hat: Im Gegensatz zu vielen seiner Berufsgenossen scheut er sich nicht, dramatische Leere einzusetzen und kreativ zu nutzen.
Ein persönlicher Reifungsprozess wird auf natürliche und nicht schulmeisterliche Weise greifbar. Der Reisealltag plätschert vor sich hin. Che und Alberto beobachten scharf. Doch was innerlich abläuft, wird in Tagebucheinträgen und Briefwechseln, vorgelesen von Ches Stimme aus dem Off, eingestreut. Und schliesslich räumt «Diarios de motocicleta» mit landläufigen Klischees auf, die jedem Lebensabenteuer im Wege stehen: Eine Berufung will erst einmal entdeckt werden, und ist nicht einfach in die Wiege gelegt. [Andrea Bleuler]
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