Accordion Tribe - Filmkritik
| Land (Jahr): | Österreich, Schweiz (2004) |
| Genre: | Documentary, Music |
| Regie: | Stefan Schwietert |
| Kinostart: | 28.10.2004 |
| Kamera: | Wolfgang Lehner |
| Produktion: | Hofer Brigitte |
| Brigitte Hofer |
Die anderen Klänge des Akkordeons
Stefan Schwieterts zweiter Handorgel-Film ist zum einen das packende Porträt des titelgebenden Akkordeon-Quintetts, zum andern ein fesselnder Film über den musikalischen Reichtum, welcher der Ziehharmonika innewohnt, wenn sie nicht als eintöniges Volksmusikinstrument missbraucht wird.
Als Jugendlicher habe er das Akkordeon gehasst, meint Stefan Schwietert. Doch dann wurde der Basler in Berlin Filmregisseur und spezialisierte sich auf Musikfilme: Spätestens seit «A Tickle in the Heart», dem Porträt über die Klezmer spielenden Epstein Brothers, steht er im Ruf, Musikfilme zu drehen, die hautnah dran an ihren Protagonisten und fast besser als jedes Konzert sind.
Im Verlauf seiner Arbeit an anderen Musikfilmen wie «Das Alphorn» hat Schwietert die Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien erfundene Handorgel neu entdeckt. Im Jahr 2000 stellte er mit «El acordeon del diablo», einem Porträt über den kolumbianischen Akkordeon-Spieler Francisco «Pacho» Rada, seinen ersten Handorgel-Film vor. Und nun reicht er mit «Accordion Tribe» einen zweiten nach.
Ausgangspunkt ist Schwieterts Begegnung mit dem blinden Wiener Akkordeonisten Otto Lechner, der sich das Handorgel-Spiel in Eigenregie beibrachte und sich heute auf seiner alten Hohner virtuos durch sämtliche Musikstile swingt. Lechner ist Mitglied der vom New Yorker Guy Klucevsek gegründeten, fünfköpfigen Band namens «Accordion Tribe». Als besagte Band, der noch der Schwede Lars Hollmer, die Finnin Maria Kalaniemi und der Slowene Bratko Bibic angehören, 2002 auf Europatournee ging und eine CD einspielte, ging Schwietert mit.
Was die fünf scheinbar verspielt, de facto aber hoch konzentriert nach den Wurzeln der Musik tastend, ihren Akkordeons entlocken, ist absolut einmalig. Musik, frei jeder Konvention und gleichwohl immer wieder auf ihre Herkunft aus der Volksmusik, dem Jazz, der Klassik verweisend. Klug, wenn nicht gar weise, reden die fünf Musiker, die alle selber auch komponieren, über ihre Beziehung zu ihrem Instrument und ihrer Musik. Von «gesunkenem Kulturgut» redet Lars Hollmer dabei und erklärt, wie er, der in Insiderkreisen als genialster zeitgenössischer Schöpfer neuer Melodie-Linien gilt, nicht mit dem Kopf, sondern dem Bauch, eben aus dem Gefühl heraus komponiert.
Maria Kalaniemi, Finnlands grösste Akkordeonspielerin, sagt glattweg, dass Musik vor allem gefühlt werden soll, setzt sich mit einer Kollegin in den Garten und spielt open air eine der wehmütigsten Balladen. So führt Schwieterts Film quer durch Europa bis nach Slowenien und dann nach New York, wo Klucevsek seinen alten Akkordeon-Lehrer besucht und von riesigen, amerikanischen Akkordeon-Schulorchestern erzählt, die sich an Stücken von Beethoven und Bartok versuchen und so das Akkordeon-Spiel ad absurdum führen.
Mal heiter, mal melancholisch, in seinen Bildern so originell wie in der Musik und in Ton- und Bildschnitt von meisterhafter musikalisch-rhythmischer Exaktheit, ist «Accordion Tribe» ein kleines kinematographisches Meisterwerk. [Irene Genhart]
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Jörg: Der Film über Accordion Tribe beginnt etwas unverm... |
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Daniel: Etwas konzeptlose Aufreihung, aber nah an Menschen... |

