A Good Woman - Filmkritik
| Land (Jahr): | Italien, Luxemburg, Spanien, Grossbritannien, USA (2004) |
| Genre: | Comedy, Drama, Romance |
| Filmlänge: | 93min |
| Regie: | Mike Barker |
| Kinostart: | 26.05.2005 |
| 17.08.2005 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Oscar Wilde |
Playboys und Mätressen
«A Good Woman» ist eine trotz sanfter Modernisierung und glänzender Besetzung - die Hauptrollen haben Helen Hunt und Scarlett Johansson - ziemlich verstaubt wirkende Leinwandadaption von Oscar Wildes Komödie «Lady Wendermeres Fan».
Etliche Jahre hat Lady Erlynne als Mätresse auf Kosten ihrer so betuchten wie meist auch verheirateten Liebhaber in New York gelebt. Im Börsen-Crash gequälten New York der frühen 30er Jahre allerdings ist für sie kaum mehr ein Auskommen zu finden. Gepeitscht von der Häme einer Horde klatschsüchtig Rache fordernder, gehörnter Gattinnen disloziert Lady Erlynne zum Auftakt von «A Good Woman» nach Europa. An die italienische Riviera, genauer nach Amalfi zieht sie, wo eine erlesene Runde reicher Amerikaner ihren Sommer verbringt.
Schamlos treibt Erlynne ihr Spiel nun vorerst weiter: Kaum angekommen, wird sie öfters in Gesellschaft des jungen Finanziers Robert Windermere angetroffen, ungehemmt turtelt sie gleichzeitig aber auch mit dem Millionen schweren Junggesellen Tuppy. Nun aber titelt Mike Barkers Film «A Good Woman», und das hat seine Bewandtnis. Dem Film zu Grunde nämlich liegt Oscar Wildes «Lady Windermeres Fächer - Die Geschichte einer anständigen Frau»; eine Komödie, welche von der Begegnung einer abtrünnigen Mutter mit ihrer - inzwischen erwachsenen, sie aber nicht kennenden - Tochter erzählt. Gleichzeitig handelt Wildes Stück aber auch von der intriganten Bösartigkeit der gehobenen Gesellschaft, deren Mitglieder sich ein Spiel daraus machen, eine junge und glückliche Ehe - nämlich die zwischen Robert Windermere und seiner tugendhaften Gattin - in Brüche gehen zu sehen.
Sanft modernisiert hat Barker das 1892 entstandene Stück. Erzählt, wie nach der Ankunft Lady Erlynnes auf Amalfi die Gerüchteküche zu kochen beginnt und wie Windermeres weltunerfahrene Gattin Meg verzweifelt über ihres Gatten vermeintliche Treulosigkeit schier dem Playboy Lord Darlington in die Arme fiele, wenn nicht Lady Erlynne sie in letzter Sekunde daran hinderte. Schön gefilmt ist «A Good Woman», die Dialoge sind geschliffen, geistreich und witzig; gut besetzt sind die Neben- und Männerrollen und Helen Hunt als emanzipierte Kokotte verströmt einen reizvoll-spröden Charme. Weniger überzeugend allerdings ist Scarlett Johansson: Nach ihrem bravourösen Auftritt in «Lost in Translation» ist die junge Schauspielerin in der Rolle eines unschuldigen Naivchens schlicht falsch besetzt.
Barkers Film leidet aber auch noch an einem anderen Handicap. Zwar mag auf der Bühne Wildes Komödie um eine Frau, die ihre einst eines Liebhabers wegen verlassene Tochter Jahrzehnte später nicht wieder in die Arme schliessen darf, immer noch funktionieren. Auf der Leinwand aber wirkt sie heute, da das TV täglich heisse Versöhnungs-Reality-Soaps frei Haus liefert, furchtbar verstaubt - und kann höchstens überzeugten Wilde-Fans empfohlen werden. [Irene Genhart]
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