The Recruit - Filmkritik
| Land (Jahr): | USA (2003) |
| Genre: | Thriller |
| Filmlänge: | 115min |
| Regie: | Roger Donaldson |
| Kinostart: | 03.07.2003 |
| 11.06.2003 (Romandie) | |
| Verleih: | Rialto Film |
| Cast: |
| Al Pacino |
| Colin Farrell |
Alles ist ein Test
In Filmen, wo keiner niemanden trauen kann, sind Agenten, Geheimpläne und Überwachungskameras meist nicht fern. So gebieten es jedenfalls die Regeln des Hollywood-Kinos. Auch der Thriller «The Recruit» mit Al Pacino und Colin Farrell spielt auf solchen Gemeinplätzen.
Als Spitzenabsolvent einer Elite-Uni und Erfinder einer wegweisenden Software braucht sich James Clayton (Colin Farrell) keine Sorgen um seine berufliche Zukunft zu machen. Nur eine Frage der Zeit, bis die Hightech-Konzerne mit lukrativen Jobangeboten an seiner Tür klopfen. Das Rennen um den Wunderknaben macht freilich einer, der anstelle eines dicken Bankkontos viel Feind und wenig Ehr’ zu bieten hat: Clayton wird vom CIA-Mann Walter Burke (Al Pacino) für einen Agenten-Lehrgang rekrutiert.
Wenn Pacino dann vor der versammelten Klasse von der «gerechten Sache» der CIA schwadroniert, heisst das natürlich im Klartext, dass das Agenten-Métier ein dreckiges Business ist. Das wissen Kinogänger spätestens seit «Spy Game», wo Robert Redford seinem Zögling Brad Pitt bald einmal jegliche Illusionen raubt. Ähnliche Lektionen werden auch in «The Recruit» erteilt, mitunter in der Folterkammer.
Leider geht dem Film von Regisseur Roger Donaldson, der Mitte der 80er Jahre mit «No Way out» einen stilbildenden Polit-Thriller abdrehte, der Sinn fürs Reale ab. Statt die Story mit einem authentischen Hintergrund auszustatten, verlässt sich das Drehbuch allzu sehr auf die emotionale Anziehungskraft der Protagonisten. Dabei können weder ein stilisierter Vater-Sohn-Konflikt noch die unvermeidliche Lovestory die Unzulänglichkeiten des Skripts wettmachen. Vergebens hofft auch der Zuschauer auf «einen dieser chemischen Momente», die sich Bridget Moynahan in der weiblichen Hauptrolle von Colin Farrell als ihrem Lover in spe wünscht.
Ziemlich bieder und unmotiviert präsentiert sich für einmal die Schauspielkunst von Al Pacino. Als kulinarisch bedarfter, in den Dingen der Welt gewandter Lehrmeister wirkt er wie ein Schatten des diabolischen Mentors, den er einst in «The Devil’s Advocate» verkörperte. Colin Farrell, seit «Minority Report» einer der angesagtesten Schauspieler Hollywoods, wird wiederum sein Akzent zum Verhängnis. Befleissigt sich der gebürtige Ire des amerikanischen Dialekts, tönt das zwar echt, doch lässt der Mann dabei Ecken und Kanten vermissen.
«The Recruit» bietet leidlich spannende Unterhaltung, eine gewohnt unglaubwürdige, formelhafte Story mit den üblichen Twists und Seitenwechseln. Da ist wirklich nichts an diesem Concept Movie, das man nicht anderswo schon besser gesehen hat.
[Björn Schäffner]
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