Der Teenager Moise (Pierre Boulanger), kurz Momo genannt, lebt mit seinem Vater in einer kleinen Wohnung mitten im multikulturellen Marais Quartier von Paris. Seine Einkäufe und Gelegenheitsklauereien tätigt der jüdische Junge in den frühen Sechzigerjahren im kleinen Laden von Monsieur Ibrahim (Omar Sharif). Von der Mutter verlassen und vom Vater vernachlässigt, findet Momo Zugang zum alten Sufisten. Dieser gibt dem Jungen ein paar fundamentale Werte mit auf den Weg und erweitert seinen Horizont, was die ethnischen, religiösen und romantischen Aspekte des Lebens betrifft. Eine generationenübergreifende Freundschaft nimmt ihren Lauf.
Viel mehr an Handlung enthält diese feinfühlige Studie nicht. Sharifs Darstellung und seine würdevoll gealterte Persönlichkeit füllen die zertretenen Schuhe des Ladenbesitzers wunderbar aus. Die zuweilen gar hyperperfekt platzierten «Bonmots» aus dem Koran, welche der Ägypter mit viel Liebe zitiert, wirken dafür allzu oft sehr gestelzt und lassen die Glaubwürdigkeit vermissen. Abgesehen davon ist «Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran» aber auf eine eigene, verspielte Weise ein Erfolg. Neben dem glänzenden Sharif hat auch der sechzehnjährige Boulanger eine Reihe von prägnanten Momenten, welche seine Fähigkeiten als Schauspieler unter Beweis stellen. Zieht man dabei noch in Betracht, dass es sich bei der Geschichte um die Erinnerungen eines erwachsenen Mannes handelt, können, bis auf die viel zu überspitzte Schlussviertelstunde, der Pathos und die Gesetztheit verziehen werden.
Da ich Schmitts Buch nicht gelesen habe, vermag ich nicht zu sagen, was unter der Regie von François Dupeyron letztendlich neu erfunden oder weggelassen wurde. Einen Nerv trifft der Film in einer Zeit ausgedehnter medialer Berichterstattung über islamischen Fundamentalismus aber auf jeden Fall. Ist uns der Orient mit seinen Bräuchen und Menschen oft sehr fremd, führt uns diese leise Ode an die Freundschaft eine friedliche, von humanistischen Grundsätzen, wilden Düften und Farben geprägte Welt vor Augen. Fernab von bärtigen, dunkelhaarigen Terroristen auf Fahndungsplakaten ist «Monsieur Ibrahim» mit all seiner Naivität ein gesundes Gegenstück zum Misstrauen und der Angst des Westens vor dem nahen Osten. Nicht dass sich damit die Welt verändern liesse, aber eine angenehme Ruhe setzt für eine Weile ein.
einfühlsam, sinnlich, wundervoller Humor, Weltreligionen