Les triplettes de Belleville - Filmkritik
| Aka Titel: | Das grosse Rennen von Belleville |
| Land (Jahr): | Frankreich (2003) |
| Genre: | Animation |
| Filmlänge: | 75min |
| Regie: | Sylvain Chomet |
| Kinostart: | 02.10.2003 |
| 11.06.2003 (Romandie) | |
| Verleih: | Frenetic Films |
Oma gegen Mafia - perfide Nostalgie
Vieles im Leben geschieht zufällig, im Leben von «Champion» sogar das meiste unfreiwillig. Während aber anfangs noch seine Oma die Zügel fest in der Hand hält, übernehmen im entscheidenden Moment dunkle Gesellen das Kommando. Allerdings haben sie in diesem grotesken und witzigen Animationsfilm ihre Rechnung ohne die Wirtin mit ihren Helfershelferinnen gemacht.
Wächst ein Kind bei seiner Oma auf, wird es meist verwöhnt, denn die Oma ist geduldiger und weniger streng als die Eltern. Nicht so die Oma von «Champion»: Sie hat einen eisernen Willen und beschlossen, ihren Enkel zum Sieger der Tour de France aufzubauen. Nichts überlässt sie dem Zufall. Ihr ganzes Leben und der gesamte Haushalt sind diesem Ziel untergeordnet. Und da sie kein großes Budget hat, werden eben die Küchen- und Haushaltsgeräte zweckentfremdet, und sogar der Hund muss seinen Beitrag leisten.
Kein Wunder, dass die Oma keinen Spaß versteht, als ihr Enkel am wichtigsten Tag seines Lebens während der Tour de France entführt und so um den heißersehnten Sieg gebracht wird. Kurzentschlossen setzt sie alles daran, ihn zu befreien. Man kann sich leicht ausrechnen, dass ihre Gegner nichts zu lachen haben.
Hat wenigstens das Publikum dabei etwas zu lachen? Das hängt vom Humor ab, denn die Erzählung ist voller komischer und absurder Einfälle. Das Lachen bliebe einem aber im Hals stecken, wäre es kein Animationsfilm, denn was Menschen und Tiere - besonders der Familienhund - durchmachen, geht auf keine Kuhhaut. Man kann diese karikaturhafte Überzeichnung aber auch schätzen, denn sie wird mit einem Feuerwerk szenischer und visueller Ideen präsentiert.
Die liebevoll und detailreich gestalteten Dekors von Evgeni Tomov würden auch als Bilder bestehen, die Blickführung orientiert sich an einer imaginären Kamera, die Umschnitte sind immer wieder originell und nutzen die Möglichkeiten des Animationsfilms einfallsreich. Der Retro-Stil der Zeichnungen kontrastiert wohltuend zu den geleckten, rechnergenerierten Animationen aus den USA und bildet damit einen weiteren Kontrapunkt neben der inhaltlichen Persiflage auf das Gangsterfilmgenre, die auch vor einem beschrankten Bahnübergang in einer Millionenstadt nicht haltmacht.
Aber was wäre eine Verfolgungsjagt ohne einen beschrankten Bahnübergang? Nichts Richtiges, und das kann man Silvain Chomet, dem Schöpfer all dieser umwerfenden Szenen, nicht vorwerfen. Fünf Jahre hat er an diesem Meisterwerk gearbeitet, die Geschichte selbst entwickelt, gezeichnet, die richtigen Partner gefunden und für alles die künstlerische Verantwortung übernommen. Bis hin zur phänomenalen Musikauswahl passt alles zusammen. So ist es nur konsequent, dass analog zur Ausrüstung von Team «Oma» mit Haushaltsgeräten auch noch musiziert wird. Nichts für Hundeliebhaber oder schwache Nerven, aber mit Potential zum Kultfilm. [Eduard Ulrich]
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