The League of Extraordinary Gentlemen - Filmkritik
| Aka Titel: | Die Liga der aussergewöhnlichen Gentlemen |
| Land (Jahr): | USA (2002) |
| Genre: | Action, Sci-Fi |
| Filmlänge: | 110min |
| Regie: | Stephen Norrington |
| Kinostart: | 02.10.2003 |
| 01.10.2003 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Alan Moore |
Die Liga der schlechten Comic-Adaptionen
In Form eines literarischen Potpourris entwickelte der renommierte Autor Alan Moore («From Hell») «The League of Extraordinary Gentlemen». Ein halbes Dutzend Figuren aus den berühmten Romanen des neunzehnten Jahrhunderts bevölkern diese Comic-Serie, die man nun als Kinoadaption mit Sean Connery in der Hauptrolle auf ihre Banalitäten reduziert hat.
Die abenteuerliche Geschichte, welche anno 1899 in einem viktorianischen Paralleluniversum stattfindet, ist an sich clever ausgedacht: Der Abenteurer Allan Quatermain (Connery), die Vampirfrau Mina Harker (Peta Wilson), Captain Nemo (Naseeruddin Shah), Dr. Jekyll und sein alter Ego Mr. Hyde (Jason Fleming) sowie der unsichtbare Mann Rodney Skinner (Tony Curran) den Ausbruch eines Weltkriegs verhindern. Alan Moore lässt in seiner Vorlage die Geschöpfe aus den Geschichten von H.G. Wells, Bram Stoker, H. Rider Haggard, Jules Verne und Robert Louis Stevenson zusammenfinden. Aus der Fiktion der damaligen Zeit entsteht eine alternative Realität und somit ein wunderschönes Gemälde einer Epoche des technischen Aufbruchs und der sexuellen Repression, in der diese Romane entstanden sind.
Das Drehbuch erweitert das Ensemble um Oscar Wilde's Dorian Gray (Stuart Townsend) und als Eingeständnis an das amerikanische Publikum (alle anderen Figuren sind europäischer Herkunft) Mark Twain's Tom Sawyer (Shane West). Eine an sich so weit vertretbare Veränderung, hätten die Macher im Verlauf der Umsetzung nicht auch gleich noch sämtliche Eigenständigkeiten der Figuren über Bord geworfen. Diese literarischen Geschöpfe sind zerrissene Persönlichkeiten, welche Moore aus den Seiten der Romane herausgepflückt und mit viel erzählerischer Verve zusammengeführt hat. Von dieser Ambivalenz sind jedoch nur die plumpesten Aspekte übrig geblieben, wofür weder der schleppende Erzählfluss noch die schlaksig eingebauten Action-Sequenzen Ersatz bieten.
Auf Papier sah das Projekt einst sehr vielversprechend aus. Mit Regisseur Stephen Norrington («Blade»), Produzent Don Murphy («From Hell») und Drehbuchautor James Robinson, einem engen Freund von Alan Moore, standen Leute an vorderster Front, deren Verständnis für das Medium und die filmische Umsetzung sehr wohl vorhanden ist. Umso enttäuschender ist es nun, mitanzusehen, wie der Geist von Moore's Grundidee in Stücke gehackt wurde. Da mag Produzent Murphy noch lange erklären, er habe nie vorgehabt, eine werkgetreue Adaption in die Kinos zu bringen. Das entschuldigt das schwache Endprodukt nicht, vor allem weil die Veränderungen einzig und allein zu Gunsten überaus platter Sommerunterhaltung vorgenommen wurden.
Hauptleidende hierbei sind nicht zuletzt die Schauspieler, welche die widrigen Umstände des Projektes (das Set wurde überflutet, Connery verzankte sich mit Regisseur Norrington) aus erster Hand zu spüren bekamen, und bisweilen völlig abwesend durch die nicht mal uninteressanten Dekors stolzieren. Womit dem ganzen Unterfangen der letzte Sargnagel eingeschlagen wird. [Serge Zehnder]
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