Suzette (Goldie Hawn) steht hinter dem Tresen des Rock-Clubs. Wie's scheint, seit Jahrzehnten. Die tief ins Gesicht geschobene Sonnenbrille kaschiert die vielen Falten im abgelebten Gesicht trotz Schummerlicht nur ungenügend. Suzette ist schon länger hier, als jeder Whiskey im Regal hinter ihr. Und wenn man ihr nicht gekündigt hätte, würde sie wohl immer noch versuchen, die Rockstars von morgen ins Bett zu kriegen. Aber diese Zeiten sind lange vorbei. Vom ehemaligen Super-Groupie ist nur noch der verruchte Ruf übrig. Und auch der steht - wie alles an ihr - am Ende der Blüte. Die Rockstars vergnügen sich längst mit 20 Jahre jüngeren Gespielinnen.
Für Suzette ist in dieser Welt kein Platz mehr. Kein (Blow)job und auch kein Geld. Was ihr bleibt, sind Erinnerungen an die guten alten Zeiten. Als sie mit ihrer besten Freundin Vinnie (Susan Sarandon) um die Häuser und durch die Clubs zog. Als sie unter den Rockgöttern der 60er Jahre von Bett zu Bett gereicht und unter dem Namen «The Banger Sisters» zur Stadtlegende wurden.
Völlig abgebrannt, voller Gedanken an die Vergangenheit und in der Hoffnung auf einige nette Worte und ein paar Tausend Dollar, macht sie sich auf Vinnie zu besuchen, von der sie einzig weiss, dass sie einen Anwalt geheiratet und sich häuslich niedergelassen hat. Das letzte Treffen liegt 20 Jahre zurück. Umso grösser ist deshalb Suzettes Staunen, als sie Vinnie nach ein paar Tausend Meilen Autofahrt von Angesicht zu Angesicht gegenüber steht. Einer mausgrau gekleideten, humorlosen und distinguierten Person, die sich Lavinia nennt und es sich offensichtlich zur Lebensaufgabe gemacht hat, ihren neurotischen Kindern mit übertriebener Fürsorge das Leben zu vermiesen. Zwanzig Jahre haben aus der ehemaligen Schwester im Geiste einen Alptraum und dessen grösste Wahnvorstellung gemacht. Nichts hindert die beiden noch daran, sich endlich mal so richtig die Meinung zu sagen. Und offensichtlich ist es genau das, was beide gebraucht haben, um aus einem Leben zu erwachen, das sie langsam, aber sicher erstickt hätte.
Die Grundidee von «The Banger Sisters» ist gar nicht so schlecht. Die Frage, was das Leben aus einem macht und was man selbst dazu beiträgt. Die Gefahr, sich in kleinen Schritten, und ohne dass man es bemerkt, von sich selbst zu entfremden. Goldie Hawn und Susan Sarandon sind für diese Rollen eine ausgezeichnete Wahl. Was sie an Ironie und Glaubwürdigkeit aus ihren Figuren herausholen, ist schon beinahe mirakulös. Vor allem, wenn man die grässliche Staffage bedenkt, mit der dieser Film verunstaltet und abgewertet wurde. Warum musste Regisseur Bob Dolman Suzette auch noch eine Brustvergösserung andichten? Der 60er-Jahre-Groupie-Hintergrund war doch bereits mehr verklärter Kitsch, als einer allein ertragen kann. Warum muss Lavinia/Vinnie ausgerechnet den grösstmöglichen Alptraum einer Neureichen verkörpern. Ihr übertriebener Drang, eine gute Mutter und fürsorgliche Ehefrau zu sein, hätte sich in kleinerem Massstab viel besser zur Identifikation geeignet. Dolman hat die eigene, gute Ausgangsidee mit Klischees zugekleistert und mit Phrasen übertüncht. Wo Differenzierung hätte aufkommen können, kleistert er Stilisierungen hin. Und die Schuld dafür kann Dolman nicht mal dem Drehbuch zuschieben. Das hat er nämlich selbst geschrieben.
Belanglose und nur beding witzige Komödie...