Pinocchio - Filmkritik
| Land (Jahr): | Italien (2002) |
| Genre: | Comedy, Drama |
| Filmlänge: | 95min |
| Regie: | Roberto Benigni |
| Kinostart: | 13.02.2003 |
| 26.03.2003 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Roberto Benigni |
Auf Ritalin-Entzug
Roberto Benigni spielt nicht nur Pinocchio, sondern ist auch der Drehbuchautor und Regisseur der gigantischen Produktion. Sein Ego hat er aber nicht in den Dienst der Sache stellen können.
Spätestens seit jener Oscarverleihung, als «La vita è bella» als bester ausländischer Film gekürt wurde, verkörpert Roberto Begnini weltweit das, was man unter echter Italianità versteht. Keine Überraschung also, dass er auch den nationalen Kinderhelden Pinocchio interpretieren wollte.
Die jüngsten Verfilmung zeigt viel Respekt gegenüber Carlo Collodis Vorlage, sieht man davon ab, dass die blaue Fee, interpretiert von Benignis Ehefrau und Produzentin des Films, Nicoletta Braschi, doch merkwürdig viel Gewicht bekommt und der neue Pinocchio - eigentlich ein kleiner Junge im Schulalter - verblüffenderweise schon um die fünfzig Lenze erlebt hat.
Benignis Version der legendären Kindergeschichte ist wenig erfinderisch, dafür maximal überdreht. Holzkasper Pinocchio alias R.B. rast während 110 Minuten durch das üppige Dekor, schreit, fuchtelt, lacht und lügt - und erweicht uns trotzdem nicht. Dabei scheint nicht einmal Zeit zu bleiben, Pinocchios berühmte Nasenwüchse würdig in Szene zu setzen. Ein halbwegs an die Welt der Geschichten und Märchen erinnernder Rhythmus ist nicht auszumachen. Die einzelnen Abenteuer sind lieblos aneinander geklebt. Von der Leichtigkeit der tschechischen Märchenfilme aus den siebziger Jahren ist man weit entfernt.
Es sind die Nebenrollen, die dennoch echt märchenhafte Momente ermöglichen: Etwa Kim Rossi Stuart - sonst im italienischen Kino ständig als blauäugiger Beau besetzt - als Freund Docht oder Peppe Barra als sprechende Grille. Ihre Auftritte sind nicht weniger theatralisch als diejenigen von Benigni, doch wissen sie ihre Person ganz in den Dienst ihrer Rolle zu stellen.
Zu Gute halten muss man Roberto Benigni, dass er der Figur Pinocchio sicher einiges an Fröhlichkeit eingehaucht hat, handelt es sich bei der literarischen Vorlage doch um eine eher düstere Geschichte mit vielen beklemmenden Momenten. Die zarten Kinderseelen der kommenden Generationen werden es ihm danken. [Andrea Bleuler]
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