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Balzac et la petite tailleuse chinoise

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 Filmkritik
«Balzac et la petite tailleuse chinoise»: Bewertung der Redaktion
Bittersüsse Jugend

Mit dem halb biografisch, halb fiktionalen Roman «Balzac et la petite tailleuse chinoise» konnte der Chinese Dai Sijie einen beachtlichen Bucherfolg landen. Die Verfilmung der Geschichte zweier Teenager, die während der «kulturellen Revolution» im China der siebziger Jahren auf dem Land umerzogen werden sollen, ist aber in erster Linie eine romantische Komödie geworden.

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Unvorstellbar scheint es aus westlicher Perspektive, dass in China kaum vor einem Vierteljahrhundert eine Sonate von Mozart schlaumeierisch in «Mozart denkt an den Führer Mao» umbenannt werden musste, um nicht als reaktionäres Gut von der Gemeinschaft verboten zu werden.

Einen ganz «neuen Menschen» plante der Parteivorsitzende Mao heranzuzüchten - frei von westlichen Einflüssen. Unter dem Programm «kulturelle Revolution» wurden weltoffene und gebildete Staatsbürger verfolgt und ihre Kinder zur «Umerziehung» beziehungsweise «Ent-Intellektualisierung» in die ärmsten und ungebildetsten Bergregionen verfrachtet - so auch die siebzehnjährigen Protagonisten des Films, Luo und Ma.

Die Arbeit in der Kupfermine und der Landwirtschaft ist hart und gefährlich. Doch es ist ausgerechnet die Kunst, die den beiden jungen Männern auch hier das Leben erleichtert: Musik, Geschichten erzählen, verbotene Romane lesen. Und nicht nur das: Mit einem Roman von Balzac erobert Luo das Herz der Schneiderstochter (die strahlende Zhou Xun aus Suzhou River) - Ma ist nicht weniger in sie verliebt, bleibt aber auf der Strecke.

Regisseur Dai Sijie hat die kulturelle Revolution selbst erlebt, bevor er nach Frankreich ins Exil gegangen ist. Sein Film ist gespickt mit pikanten Szenen, die das Groteske dieses radikalen Unterfangens hervorheben. Es beeindruckt der jugendliche Mut der beiden jungen Männer und die kreative Anpassung der Bevölkerung an die damals aktuellen Zwänge im kommunistischen Staat. Und trotz der eigentlichen dramatischen Situation gibt es viel zu schmunzeln.

Erstaunlich ist, dass der Regisseur den Wert der dörflichen Alltagssituation bei weitem unterbewertet und sich im Verlauf des Films zusehends auf die Liebesgeschichte fixiert. Gegen Ende des Films, als Ma - inzwischen Violinist in einem Orchester in Lyon - 20 Jahre später ans Ort des Geschehens zurückgeht und seinen Freund Lou besucht, wird die historisch imposante Geschichte gar gänzlich in einen nostalgischen und wehmütigen Dunst eingehüllt.

Was sich als vielschichtiges Gesellschaftsportrait einer bestimmten politischen Epoche ankündigt, entwickelt sich schleichend zur romantischen Komödie. Dai Sijies Film ist aber dennoch ein historisch ausgesprochen instruktives Werk, das mit einer Dreiecks-Herzensangelegenheit Weltgeschichte erzählt. [Andrea Bleuler]


 Eure Kommentare

Jaime: sehr gute Buchumsetzung im Film

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 Abspann
Originaltitel: Balzac et la petite tailleuse chinoise
Filmlänge: 110min
Land (Jahr): Frankreich, China (2002)
Genre: Komödie, Drama, Liebesfilm / Studiofilm
Besetzung: Xun Zhou, Kun Chen, Ye Liu, Shuangbao Wang, Zhijun Cong, Hong Wei Wang, Xiong Xiao, Zuohui Tang, Wei Chen, Tianlu Chen, Qing-yun Fan
Regie: Sijie Dai
Drehbuch: Sijie Dai, Sijie Dai, Nadine Perront
Kamera: Jean-Marie Dreujou
Produktion: Lise Fayolle, Bernard Lorain, Pujian Wang
Verleih: Filmcoopi Zürich
Produktionsfirma: Les Films de la Suane, TF1 Films Productions
Startdatum: 19.12.2002 (Deutschschweiz)
09.10.2002 (Romandie)



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