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Shadow of the Vampire

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 Filmkritik
«Shadow of the Vampire»: Bewertung der Redaktion
Eat the Scriptwriter

Man sagt, dem deutschen Regie-Mythos Friedrich Wilhelm Murnau sei 1922 mit «Nosferatu» der realistischste Vampirfilm aller Zeiten gelungen. In «Shadow of the Vampire» erklären nun Elias Merhige, John Malkovich und Willem Dafoe, warum das so gekommen ist.

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Schreck, Max Schreck, ist der Name des Vampir-Darstellers, dem der deutsche Regie-Star der wilden zwanziger Jahre Friedrich Wilhelm Murnau zu unsterblichem Ruhm verhalf. Schreck war Nosferatu. Nosferatu war Dracula. Dracula war und ist der Fürst aller Vampire. Ein Untoter, welcher vom irischen Romanautor Bram Stoker um die letzte Jahrhundertwende geweckt worden war und seitdem sein Unwesen in unzähligen Filmen getrieben hat. Murnau aber war einer der ersten, der das Potential des blutsaugenden Grafen für die Leinwand erkannt hat. Zwar hatte Dracula seine ersten Bühnen- und Filmauftritte bereits absolviert, doch es brauchte einen Filmfanatiker wie Murnau, der realisierte, dass sich der Schrecken ins Unermessliche würde steigern lassen, liesse man den Grafen in einer «natürlichen» Umgebung agieren.

So beschloss der Regisseur das Studio mit der «Realität» zu vertauschen. Sein «Nosferatu» sollte in richtigen Burgen, echten Wäldern und realen Städten abgedreht werden. Später dann würde der Film - entgegen dem damals üblichen Aneinanderhängen von im Studio abgefilmten Theaterszenen - zu einem eigenständigen poetischen Kunstgebilde zusammen montiert werden. «Nosferatu», eine Kino-Erzählung, ganz Filmkunst, so, wie sie Griffith in den USA und Eisenstein in der Sowjetunion bereits sehr virtuos betrieben.

Unheimlich wirkte «Nosferatu» schliesslich auch wegen seinem innovativen Regisseur - im Kern jedoch war es vor allem der Darsteller des Vampirs, Max Schreck, der mit seiner Performance dem Ganzen den Hauch des Todes einblies. Er war so überzeugend, dass fortan die Produktionsgeschichte des Films selbst zu Legende wurde. Ein genialisch-wahnsinniger Regisseur, verschiedene Todesfälle während und unmittelbar nach den Dreharbeiten, sowie Max Schreck, der sich nach «Nosferatu» nicht wiedergefunden habe, und in einem slowakischen Schloss einsam und vergessen gestorben sein soll... wahrlich ein Stoff fürs Kino.

Den Gedanken weitergesponnen haben nun in «Shadow of the Vampire» die beiden Amerikaner Elias Merhige und Steven Katz, die mit einem ebenso simplen wie genialen Drehbucheinfall erklären können, warum «Nosferatu» zum realistischsten Draculafilm aller Zeiten werden musste. Es liegt auf der Hand: Max Schreck (Willem Dafoe) spielte den Blutsauger nicht - Schreck selbst war ein richtiger Vampir. Von Friedrich Wilhelm Murnau (John Malkovich) während seiner Studienzeit irgendwo in böhmischen Hinterland entdeckt, lebt er mehr schlecht als recht auf einer Burg und treibt dort seit Jahrhunderten sein Unwesen. Später erinnert sich der mittlerweile zu einem der bekanntesten Filmregisseure der Weimarer Republik aufgestiegene des seltsamen Bekannten. Dann nämlich, als es konkret darum geht, für den Part des Grafen in einer geplanten Dracula-Verfilmung einen geeigneten Darsteller zu finden.

Der von Murnau-Malkovich bei seiner Abreise aus Berlin pathetisch verkündete «poetische Realismus», die Vorstellung einer «echten Filmkunst», die über Dreharbeiten «on location» zu verwirklichen sei, hat in «Shadow of the Vampire» einen ganz und gar banalen Grund: Der Vampir kann nur bei Nacht, und nur in unmittelbarer Umgebung seiner Fluchtburg «arbeiten». Dafür, dass er sich während der Dreharbeiten zurückhält, hat ihm der Regisseur als Belohnung den Hals seiner Hauptdarstellerin Greta Schröder (Catherine McCormack) versprochen - zu geniessen allerdings erst nach Beendingung des Kunstwerks. Einige Komik zieht der Film nun daraus, dass Schreck-Dafoe seinen Bluthunger natürlich nicht zügeln kann, und Murnau ihm - widerwillig zwar - eine Vorspeise gewähren muss. «Eat the scriptwriter», so seine Lösung - scheint ihm doch der Drehbuchautor am Set noch der Entbehrlichste. Lacher aber auch da, wo der, von jeder Schauspiel-Kunst unbeleckte Max Schreck - Murnau präsentiert ihn seinen Darstellern als Reinhard-Schüler, der in Moskau nach der Stanislavski-Methode ausgebildet wurde, und seine Rolle nun in jedem Moment «leben» muss - von seinen Kollegen und zukünftigen Opfer für seine realistische Darstellung des Vampirs über den Klee gelobt wird: «Max Schreck - the German Theater needs you!»

«Shadow of the Vampire» schafft das Kunststück, unheimlich zu sein, gleichzeitig aber als stilechte Parodie und liebevolles Zitatenkabinett intelligent übers Filmemachen, die Flausen, Mythen und Grosssprecherei von Filmemachern und anderen Geistesgrössen zu lachen. Seltsam ist allenfalls, dass einmal mehr der deutsche Film, trotz Förderung, unzähligen Drehbuchseminaren und Filmkunsthochschulen, es den Amerikanern überlassen musste, aus diesem der eigenen Geschichte entwachsenen Stoff einen Unterhaltungsfilm zu machen. Nein, einen Murnau gibt's im wiedervereinigten Germanien nimmermehr; dass man da aber selbst eine Murnau-Parodie vergeblich sucht, das gibt zu denken. [Benedikt Eppenberger]


 Eure Kommentare

Monika: weil ich horrorfilme liebe, und darum weiss das er gut ist!!
Philipp: Mich hat der Film überhaupt nicht überzeugt.
Tamer: Ein echt schlechter Film! Habe ihn vor etwa 3 Monaten auf DVD ges...

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Originaltitel: Shadow of the Vampire
Filmlänge: 92min
Land (Jahr): USA (2001)
Genre: Horror
Besetzung: John Malkovich, Willem Dafoe, Cary Elwes, Aden Gillet, Eddie Izzard, Udo Kier, Catherine McCormack
Regie: E. Elias Merhige
Drehbuch: Steven Katz



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