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Romance - Filmkritik

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Land (Jahr): Frankreich (1999)
Genre:Drama, Romance
Filmlänge:95min
Regie:Catherine Breillat
Kinostart:25.06.1999
Drehbuch:Catherine Breillat
Kamera:Yorgos Arvanitis

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PorNo oder ArtSi? Sex à la française

Die Französin Catherine Breillat schickt ihre «Romance» mit einem dicken X auf dem Plakat in die arglose Welt hinaus - zur Warnung an minderjährige Lüstlinge und volljährige Sensibelchen: denn Rocco Siffredi und also sein sagenhaftes Geschlechtsorgan spielen mit in diesem französischen Räsonnement über - na was wohl - die Liebe. Ob das bloss Reklametrick ist?

Ausschnitt aus dem Filmplakat
Ausschnitt aus dem Filmplakat
Frau oben
Frau oben
Frau unten
Frau unten
Mann oben, Frau unten
Mann oben, Frau unten
R. Sinfredis zeigt seinen Penis
R. Sinfredis zeigt seinen Penis

«PorNo!» hiess vor fast einem Jahrzehnt das Geschütz, welches die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer zusammen mit ihren Schwestern von «Emma», gegen die Porno-Industrie in Stellung brachte. Verschwunden ist er deswegen nicht, der pornographische Zirkus; trotzdem, der Aufruhr half mit, anstehende Veränderungen zu beschleunigen, in deren Verlauf sich das «System Porno» dem Mainstream weit annäherte, bis es sich schliesslich deckungsgleich mit den Common-Sense-Auflagen des sozialdemokratischen Gutmenschentums wiederfand. Das heisst: Porno ist gesellschaftsfähig, und in den 90er Jahren auch offiziell ein stinknomales Geschäft geworden. Jenes Genre, das sich einmal rühmte, schamlos gerade das zu zeigen, was andere nicht zeigen wollten, hat 1999, wo es tunlichst jede Überschreitung meidet bzw. nicht unangenehm auffallen möchte, seine Daseinsberechtigung verloren. Andersrum gefragt: Was könnte denn heute pornographischer sein als beispielsweise ein Film wie «Armageddon»?

«Pornofilme sind gar kein Kino»

Dass die französische Autorin und Regisseurin Catherine Breillat weiterhin auf der klaren Trennung der beiden Bereiche beharrt - «Pornofilme sind gar kein Kino» (Breillat) - ist in ihrem Sinn konsequent. Nur so nämlich kommt ihr Filmkonstrukt «Romance» überhaupt erst einmal in Fahrt. In einer Frühphase macht man mit dem Gerücht, dass in diesem Arthouse-Erguss Pornographisches zu sehen sein würde (Pornostar Rocco Siffredi), das kritische Kunstfilm-Publikum scharf. In einem zweiten Schritt dann verbietet man sich den Vergleich mit der Pornographie, und behauptet: hier wird philosophiert; denn was «Romance» aussagt, verträgt sich schlecht mit materialistischen Fick-Shows. Wir zeigen zwar (Provokation!) die Erektion und besorgen es ihm oral, gehen dann aber weiter und sprechen von Liebe, wahrer Liebe. Was der Porno nicht kann, gelingt dieser nämlich allemal spielend: Transzendenz zu schaffen. Weil heute allerdings niemand mehr liebt, muss die Frau - nach Breillat die einzig wirklich liebesfähige - zuerst durch die Hölle absoluter Erniedrigung, um a) zu Erkennen, dass kein Mann sie wirklich «besitzen» kann und b) um so zu sich selbst zu kommen.

Pornoaustreibung

Das ist Dialektik die sich gewaschen hat, und «Romance» wird so zur Pornoaustreibung mit dem Beelzebub. Die bildhübsche Marie (Caroline Ducey) liebt ihren Mann Paul. Paul liebt auch Marie, will sie aber nicht mehr an die Hose bzw. an den Schniedel lassen. «Platonisch» ist angesagt. Marie leidet an dieser Halbheit, und weil sie leidet, bricht sie schlussendlich auf, sich selbst ganz zu entdecken. Das geht dann so: frau reisst den Hengst Paolo (Rocco Siffredi) auf, lässt sich besteigen, unterbricht dann aber die sagenhaften 36cm in ihrem Tun. Paolo-Rocco ist irritiert, muss aber einsehen, dass er Marie nie «proprio», ganz, besitzen wird. Marie ist auf dem richtigen Weg. Zwei Schritte zurück, einen nach vorne. Zuerst volle Pulle Erniedrigung, darauf folgt ein Stück Befreiung. Und Madame Breillat will das totale Zusichselbstkommen der Heldin - schliesslich ist man das dem heroischen Feminismus schuldig. Sie steigert deshalb selbstredend die Erniedrigungen kontinuierlich. Vor allem ein Fremdarbeiter, ein älterer Sexologe mit Fesselspielen sowie ein Rudel wühlender Gynäkologen bringen Marie vorwärts auf ihrer Gralssuche. Schlusspunkt ist dann die endgültige Trennung vom Ehemann - sie sprengt ihn in die Luft -, und ein Kind wird Symbol ihrer nun endlich vollkommenen Liebe.

Starke Frau und Happy End

Breillat träumt in ihrem Film vorsätzlich den Traum vom weiblichen Übermenschen. Das verzweifelte Gieren der Frauen nach romantischer Liebe, die, wenn schon nicht für ewig, so doch über die Hochzeitsnacht hinausreichen sollte, bezeichnet sie als kleinlich, aussichtslos und dumm machend. Stark und ganz bei sich selbst ist die Frau nur allein. Der Mann: das Wesen vom anderen Planet. Bliebe Breillat bei dieser Aussage, und gesellte der guten Marie (!) nachträglich nicht noch ein kleines Jesuskindlein bei - «Romance» wäre in etwa die Provaktion, für die sie sich selber hält. So aber ist es tatsächlich nur eine «Romance», ein Film mit Happy End. Provokationen, das sind Nagisa Oshimas «L'empire des senses» (1976) oder Ryu Murakamis «Tokyo Decadence» (1992) - dort stellten sich die Macher einer unangenehmeren «Wahrheit» und die hiess: Es gibt keine Liebe, nur Pornographie und Tod! Etwas anderes anzunehmen wäre naiv oder abgrundtief zynisch. [Benedikt Eppenberger]

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