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The Acid House - Filmkritik

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Land (Jahr): Grossbritannien (1998)
Genre:Comedy, Drama
Filmlänge:106min
Regie:Paul McGuigan (I)
Kinostart:16.07.1999
Kamera:Alasdair Walker
Produktion:David Muir (III)

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Fussball, Fusel, Fäkalien: Neues von Irvine Welsh

«It's the singer, not the song», meinte in den 60er Jahren ein berühmter Sänger aus Liverpool. Beim Film hiesse das: Nicht auf den Autor kommt es an, sondern auf den Regisseur, allenfalls auf seine Darsteller. Vor drei Jahren waren wir begeistert über die Danny Boyles Verfilmung von Irvine Welsh's Trainspotting mit dem damals noch taufrischen Ewan MacGregor in der Hauptrolle. Nun versucht sich ein Regie-Neuling an drei Kurzgeschichten des britischen Kultautors.

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Die drei Geschichten kreisen um drei männliche Protagonisten der schottischen Unterschicht. Erstens: Boab (Alex Howden) wird innert weniger Stunden von Fussballteam, Eltern, Freundin und Arbeitgeber an die Luft gesetzt und anschliessend von Gott in eine Schmeissfliege verwandelt. Zweitens: Johnny (Kevin McKidd), ein gutmütiger Prolet, heiratet eine Schlampe, die ihn nach Strich und Faden betrügt und von ihrem neuen Zuhälter fertig machen lässt. Drittens: Coco (Ewen Bremner) ist ein blöder Acidkopf, dessen Seele auf einem schlechten Trip in den Körper eines soeben zur Welt kommenden Säuglings wechselt.

Gemeinsam ist den drei Episoden die Tristesse verwahrloster schottischer Wohngegenden, die schmierigen Bierschwemmen Edinburgs mitsamt ihrer wüsten Kundschaft, die Hinterhöfe mit ihrer beinahe sichtbaren Duftmischung aus Bier und Urin. Die Leute sehen ausnahmslos recht ungesund aus, sie sind gemein oder dumm, schneiden permanent die unmöglichsten Grimassen und brüllen einander in einer mehr oder weniger unverständlichen Sprache an, die sich zu 50% unter der Gürtellinie abspielt, wobei die deutsche Untertitelung dazu neigt, primäre Geschlechtsorgane in Fäkalisches abzufedern. So wird das häufige «Cunt» in der deutschen Übersetzung zu «Scheisser».

Mit der britischen «Kitchen-Sink»-Tradition will das möglichst nichts zu tun haben. Deutlich spürbar ist die Absicht des Regisseurs Paul McGuigan, den Sozialrealismus mit derselben Mischung aus Humor, euphorischem Soundtrack und moderner Kamera- und Schnitt-Technik zu unterlaufen, mit denen Danny Boyle «Trainspotting» zu einem besonderen Ereignis gemacht hatte. Seine Rechnung geht nicht ganz auf. Im Komödiantischen verlässt er sich zu sehr auf die herkömmlichen Mittel der Pointe, der Verwechslungsfarce und des Skurrilen. Aus der Vertauschung der Identität Cocos mit der des Neugeborenen ergibt sich ja gewiss viel Anlass zur Heiterkeit, da doch der ausgewachsene Drogenmissbraucher jetzt mit Säuglings-Grimassen im Bettchen liegt, während das Neugeborene mit der Sensibilität eines besoffenen Hooligans die Mutterbrust kommentiert. Aber eben, damit hat es sich. Diese Witze unterscheiden sich kaum vom infantilen Musterschülerhumor aus «Kuck mal, wer da spricht!». Selbst die surrealen Sequenzen wirken in diesem Film nur noch wie die selbstgenügsamen «Ideen» von Leuten, die seit ihrem sechzehnten Lebensjahr in demselben Trip feststecken. Gott als biertrinkender Trottel ist per se noch nicht lustig. Zumindest nüchterne Zuschauer möchten ihn auch noch etwas lustiges sagen hören. Immerhin, die Tonspur ist so gut, wie man es von einem britischen Film eben erwarten darf, denn in der Popmusik üben sie immer noch die Hegemonie, die Briten. Diesmal ist neben vielem anderen auch Material von Primal Scream, Nick Cave, The Verve, Oasis, T-Rex und den Chemical Brothers zu hören.

Nach «Trainspotting» wäre mir so etwas ja nicht eingefallen, aber nach «The Acid House» scheint mir eine Mahnung an die Adresse unserer Jugend am Platz: Lasst brav die Finger von den Drogen, Kinder, trinkt keinen Alkohol und unterlasst zotiges Reden!

[Martin Glauser]

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