| Land (Jahr): | USA (1998) |
| Genre: | Comedy, Drama, Romance |
| Filmlänge: | 108min |
| Regie: | Warren Beatty |
| Kinostart: | 28.05.1999 |
| 30.09.1999 (Romandie) | |
| Drehbuch: | Warren Beatty |
Warren Beatty ist ein mieser Rapper
Warren Beatty ist wohl nicht gerade Hollywoods Aussenseiter, aber doch einer seiner prominenten Randgänger. Er war bei den Frauen aus dem Showbiz immer zu beliebt, um es auch bei den Männern zu sein. Er ist wohl nicht gerade das Gewissen der Nation, aber ein Dandy mit politischer Attitüde. Noch kein Greis, aber seit drei Jahrzehnten im Geschäft, und zwar mit dauerhaftem Erfolg, als Schauspieler spätestens seit «Bonnie and Clyde». In «Heaven Can Wait», «Reds» und «Dick Tracy» spielte er neben der Hauptrolle auch die des Autors, Regisseurs und Produzenten. Eine weitere solche One-Man-Show liefert er nun mit «Bulworth», dessen kürzeste Inhaltsangabe ein echtes Oxymoron ist: Ein Politiker sagt eines Tages die Wahrheit!
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- Das Bild etwa so breit, bitte!
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- Politiker vor der Kamera
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- Politiker hinter der Kamera
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- Politiker mit Frau auf Rücksitz
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- Politiker mit Entourage
Am Anfang ist Senator Jay Bulworth noch am Ende. Die Aussichten auf eine Wiederwahl in den Senat stehen schlecht, die Ehe liegt in Trümmern, die eigenen Wahlkampf-Phrasen hängen ihm zum Hals heraus. Er schliesst eine Lebensversicherung zugunsten der Tochter ab und beauftragt einen Auftragskiller mit seiner Liquidierung. Die folgenden Tage fürchtet er sich verständlicherweise und vermutet hinter jedem Busch seinen Todesschützen. Aber die Situation wirkt auch befreiend. Angesichts des bevorstehenden Endes findet der Berufslügner auf einmal Freude an der Wahrheit. Bei einer Wahl-Veranstaltung im Schwarzenviertel erklärt er dem Publikum, dass ihre sozialen Probleme deshalb niemanden interessieren, weil sie kein Wirtschaftsfaktor seien und kein Geld in Wahlkampagnen stecken. Dann taucht auch noch eine junge hübsche Frau auf, und einmal kommt ihm der Killer überhaupt nicht mehr passend.
Wenn einer mit einer solchen Skizze zum Major Studio geht und Warren Beatty heisst, braucht es kaum weitere Überredungskünste. Die Geschichte klingt zu vielversprechend, und sie passt so gut diesem Mann, der bereits für 13 Oscars nominiert war. Schade ist nur, dass er diese feine Ausgangslage mit seiner bescheuerten Rap-Tour vermasselt: Statt einfach auf die ausreichende Komik des Paradoxons «wahrheitsliebender Politiker» zu vertrauen, verfällt Jay Bulworth schon bei seiner ersten Wahrheits-Katharsis unvermittelt in einen rhythmischen Sprechgesang, welchen er im Verlauf der weiteren Stationen mit Hiphop-Gestik und schliesslich sogar mit Kappe, Sonnenbrille und Sweater ergänzt. Warren Beatty ist ein mieser Rapper, und wenn die drei schwarzen Mädels in der Veranstaltungshalle spontan den Part des Background-Chor übernehmen und dazu groovy durch die Reihen des verdutzten Publikums tänzeln, beginnt man sich allmählich vor seinem Sitznachbarn für Warren Beatty zu genieren.
Eine Verneigung vor den Verdiensten des Hiphop als politischem Kommunikationsmittel der Unterprivilegierten möchte man in Orndung finden, aber Beatty baut dreiviertel seines Films um sein erbärmliches Gangsta-Posing und überhaupt um die ganze Anbiederung an die Schwazenkultur. Der Wahlkämpfer zieht mit den drei jungen Frauen als seiner neuen politischen Entourage durch die Clubs, er tanzt noch, wenn die Jungen nicht mehr können, er scratcht, wenn der DJ schnarcht, er fährt ins Ghetto, kauft den Gangster-Kids ein Eis, läutert den Drogendealer, indem er seine Lage versteht etc. Der Film franst in der zweiten Hälfte ins Episodenhafte aus und lässt all die guten Ideen liegen und scheint den Hauptplot (Wahlkampf, drohender Killer, Romanze) vor lauter Mütze und Walkman beinahe aus den Augen zu verlieren.
Die grösste Überraschung ist vielleicht, dass «Bulworth» gänzlich innerhalb des Hollywood-Systems entstanden ist. Nicht etwa, weil z.B. Rupert Murdoch's 20th Century Fox offensichtlich solche Witze um Medienmonopole, Kontrolle und Verfilzung mit dem politischen Establishment toleriert, sondern eher im Gegenteil wegen der mangelnden Brisanz des Themas: Wer um Himmels Willen wird in Amerika über soziale Ungerechtigkeit reden wollen und ist kein Politiker? Der Inhalt seiner dürftigen Reime mag wohl wahrer sein als die Phrasen, die er als Politiker drosch, aber sie sind durch diesen Wahrheitsgehalt nicht minder banal, und daran ändern auch die sprachlichen Obszönitäten nichts, mit denen Beatty wie mit einem Autentizitätsbeweis hausiert. Sorry Warren, aber diesmal hat dir echt einer ins Hirn geschissen, du Motherfucker. [Martin Glauser]
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