Tobias Moretti (* 11. Juli 1959 in Gries am Brenner) ist ein österreichischer Theater- und Filmschauspieler. Sein Geburtsname ist Tobias Bloéb, Moretti ist der Familienname seiner Mutter. Er nahm ihn 1984 an, als er mit Giorgio Strehler in Italien arbeitete.
Leben
Nach der Matura begann er zunächst ein Kompositionsstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, wechselte jedoch rasch an die Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München.
Von dort wurde er an das Bayerische Staatsschauspiel engagiert. 1986 wechselte er an die Münchner Kammerspiele.
Rollen an den Münchner Kammerspielen:
- Troilus in Troilus und Cressida von William Shakespeare, Regie Dieter Dorn
- Frosch in Der Frosch von Herbert Achternbusch, Regie Sigrid Herzog
- Ferrucio in Der Theatermacher von Thomas Bernhard, Regie Hans Lietzau
- Gödeke, genannt Lutter Die schöne Fremde von Klaus Pohl, Regie Helmut Griem
- Herr Sellner in New York. New York von Marlene Streeruwitz, Regie Jens-Daniel Herzog
Fernseh- und Filmerfolge
Ende der 80er Jahre wechselte Moretti zum Film. In der vierteiligen Fernseh-Serie Piefke-Saga spielte er den Tiroler Bauernburschen Joe. Einem breiten Publikum wurde er mit der TV-Krimiserie Kommissar Rex bekannt, für die er von Produzent Peter Hajek engagiert wurde und die er nach viereinhalb Jahren verliess. Parallel zur Serie drehte er aber immer wieder Filme. Diesem Genre widmete er sich noch mehr, nachdem er "Kommissar Rex" verlassen hatte. Vor allem waren das Fernsehproduktionen wie Krambambuli (Regie: Xaver Schwarzenberger), Todfeinde - Die falsche Entscheidung (Regie: Oliver Hirschbiegel), "Schwabenkinder" (Regie: Jo Baier), "Tanz mit dem Teufel" (Regie: Peter Keglevic),Clarissa - Tränen der Zärtlichkeit (Regie Jacques Deray; mit Maruschka Detmers u. a.), Workaholic, die Henning-Mankell-Verfilmung Die Rückkehr des Tanzlehrers (Regie Urs Egger) sowie Unser Opa ist der Beste (1995) und 1997 die Fortsetzung Mein Opa und die 13 Stühle, (Regie beide Male Helmuth Lohner; mit Otto Schenk, Rebecca Horner, Maria Köstlinger u. a.), "Käthchens Traum" (Regie: Jürgen Flimm), "Der Liebeswunsch" (Regie: Torsten Fischer), Andreas Hofer - Die Freiheit des Adlers, 2001 (Regie: Xaver Schwarzenberger).
2005 verkörperte er Adolf Hitler in Heinrich Breloers TV-Doku-Drama Speer und Er über das Leben des Architekten Albert Speer. 2003 und 2004 wurde Moretti als "beliebtester Schauspieler" mit dem TV-Publikumspreis Romy geehrt. Ende 2005 drehte er einen neuen Fernsehfilm: Ausgelöscht, ein Arbeitstitel, der kurz vor der Ausstrahlung in "Mord auf Rezept" umbenannt wurde. 2006 wurde mit Moretti der TV-Film Der Kronzeuge abgedreht und 2007 gesendet.
Mitte 2007 lehnte er ab, abermals die Rolle des Adolf Hitler in dem Film Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat zu spielen.
Ende 2008 kehrte Tobias Moretti zurück auf die Kinoleinwand. In der mittelalterlichen Komödie 1 1/2 Ritter spielte er an der Seite von Til Schweiger (Regie), Rick Kavanian, Thomas Gottschalk und vielen weiteren bekannten deutschen Schauspielern den "Schwarzen Ritter".
Bühnenkarriere
Neben seiner Filmtätigkeit spielt er weiter Theater an verschiedenen Bühnen des deutschsprachigen Raums. So verkörperte er zwei Sommer lang im Jedermann bei den Salzburger Festspielen Jedermanns Guten Gesell und den Teufel und wirkte bei der Uraufführung "Der Narr und seine Frau - Pancomedia" von Botho Strauss am Schauspielhaus Bochum 2001 (Regie: Matthias Hartmann). 2005 erhielt er die Rolle von König Ottokar in Martin Ku¨ejs Inszenierung von König Ottokars Glück und Ende, die am 8. August 2005 auf der Perner Insel bei den Salzburger Festspielen aufgeführt wurde und seit dem 15. Oktober 2005 auf dem Programm des Wiener Burgtheaters steht. Für diese Rolle war er für den Nestroy-Theaterpreis 2005 in der Kategorie "Bester Schauspieler" nominiert, den er jedoch nicht erhielt; 2006 wurde ihm für den Ottokar der Gertrud-Eysoldt-Ring der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste in Bensheim verliehen. Ottokar ist nicht seine erste Rolle auf der Bühne eines grossen Hauses: 1995 spielte er in Tschechows Der Heiratsantrag zuerst im Vestibül, dann im Akademietheater. Beide sind Spielstätten des Burgtheaters. Diese Aufführung wurde 2000 als Gastspiel nach München eingeladen.
Moretti betätigt sich auch als Opernregisseur: Nach einer Don-Giovanni-Inszenierung in Bregenz gestaltete er am Opernhaus Zürich Mozarts La finta giardiniera. Die Premiere fand unter der musikalischen Leitung von Nikolaus Harnoncourt am 12. Februar 2006 statt und wurde von Kritik wie Publikum positiv aufgenommen. Ausserdem nahm er bereits zweimal an der Ruhr-Triennale teil, einer Theater- und Musikreihe im Ruhrgebiet. Spielstätten sind die ehemaligen Kohleabbaugebiete. Moretti trat in den Jahren 2005 und 2006 mit seiner Frau Julia, die das Kammerorchester Modern Times leitet, in der Gebläsehalle des Landschaftsparks Nord in Duisburg auf.
Familie, Privatleben
Moretti spricht fliessend Italienisch. Seine Mutter hat italienische Vorfahren. Moretti hat drei Brüder (u.a. Gregor Bloéb).
Seit 1997 ist Moretti mit der Hohenemser Oboistin Julia Moretti verheiratet, die das von ihr gegründete Kammerorchester Moderntimes 1800 leitet. Die beiden haben zwei Kinder.
Der diplomierte Landwirt Moretti bewirtschaftet seinen eigenen 400-jährigen Bauernhof ("Bergbauernhof") in Ranggen in der Nähe von Innsbruck, wo er eine Rinderzucht betreibt.
Im Oktober 2005 kritisierte er mit einer Aussage heftig die touristische Vermarktung der Tiroler Region während der Skisaison.
Filmographie
Fernsehfilme und -serien (Auswahl)
- 1986: Wilhelm Busch (TV) (Regie: Hartmut Griesmayr)
- 1990: Die Piefke-Saga (TV-Mehrteiler) (Regie: Wilfried Dotzel, Felix Mitterer, Werner Masten)
- 1994: Kommissar Rex (TV-Serie bis 1998) (Regie: Oliver Hirschbiegel, Hans Werner u.a)
- 1995: Die Nacht der Nächte (TV) (Regie: Xaver Schwarzenberger)
- 1995: Unser Opa ist der Beste (TV) (Regie: Helmuth Lohner)
- 1997: Das ewige Lied (TV) (Regie: Franz Xaver Bogner)
- 1997: Die Bernauerin (TV) (Regie: Thomas Langhoff)
- 1997: Mein Opa und die 13 Stühle (TV) (Regie: Helmuth Lohner)
- 1998: Clarissa - Tränen der Zärtlichkeit (TV) (Regie: Jacques Deray)
- 1998: Krambambuli (TV) (Regie: Xaver Schwarzenberger)
- 1998: Mia, Liebe meines Lebens (TV-Mehrteiler) (Regie: Giovanni Soldati)
- 1998: Todfeinde - Die falsche Entscheidung (TV) (Regie: Oliver Hirschbiegel)
- 1999: Alphamann: Amok (TV) (Regie: Thomas Jauch)
- 1999: Bergkristall - Verirrt im Schnee (TV) (Regie: Maurizio Zaccaro)
- 1999: Deine besten Jahre (TV) (Regie: Dominik Graf)
- 1999: Dem Mörder verfallen - Eine Frau in Gefahr (TV) (Regie: Cinzia Th. Torrini)
- 1999: Die Nichte und der Tod (TV) (Regie: Peter Payer)
- 2000: Jesus-Legenden - Joseph von Nazareth (TV) (Regie: Raffaele Mertes)
- 2000: Das Tattoo - Tödliche Zeichen (TV) (Regie: Curt M. Faudon)
- 2000: Wenn Männer Frauen trauen (TV) (Regie: Curt M. Faudon)
- 2001: Der Tanz mit dem Teufel - Die Entführung des Richard Oetker (TV) (Regie: Peter Keglevic)
- 2002: 1809 Andreas Hofer - Die Freiheit des Adlers (TV) (Regie: Xaver Schwarzenberger)
- 2002: Ein Hund kam in die Küche (TV) (Regie: Xaver Schwarzenberger)
- 2002: Gefährliche Nähe und du ahnst nichts (TV) (Regie: Hartmut Schoen)
- 2002: Julius Caesar (TV-Mehrteiler) (Regie: Uli Edel)
- 2003: Schwabenkinder (TV) (Regie: Jo Baier)
- 2004: Die Rückkehr des Tanzlehrers (Regie: Urs Egger)
- 2005: Speer und Er (TV-Mehrteiler) (Regie: Heinrich Breloer)
- 2006: König Ottokars Glück und Ende (TV) (Regie: Martin Ku¨ej und Peter Schönhofer)
- 2007: Du gehörst mir (TV) (Regie: Tobias Ineichen)
- 2007: Die Schatzinsel (TV) (Regie: Hansjörg Thurn)
- 2007: Der Kronzeuge (TV) (Regie: Johannes Grieser)
- 2008: Das jüngste Gericht (TV) (Regie: Urs Egger)
- 2009: Geliebter Johann Geliebte Anna (Regie: Julian Pölsler)
Kinofilme
- 1988: Der Fluch (Regie: Ralf Huettner)
- 1990: Der Rausschmeisser (Regie: Xaver Schwarzenberger)
- 1996: Workaholic (Regie: Sharon von Wietersheim)
- 1997: Ein Herz wird wieder jung (Regie: Heide Pils)
- 2002: Dass du ewig denkst an mich (Regie: Paolo Barzman)
- 2002: Der Narr und seine Frau heute Abend in Pancomedia (Regie: Matthias Hartmann, Andreas Morell)
- 2004: Käthchens Traum (Regie: Jürgen Flimm)
- 2005: Der Liebeswunsch (Regie: Torsten C. Fischer)
- 2006: Mord auf Rezept (Regie: Isabel Kleefeld)
- 2006: 42plus (Regie: Sabine Derflinger)
- 2006: Midsummer Madness (Regie: Alexander Hahn)
- 2008: 1 1/2 Ritter - Auf der Suche nach der hinreissenden Herzelinde
Auszeichnungen
- 1994: Goldener Löwe für Kommissar Rex
- 1994: Das Goldene Kabel - Medienpreis für Kommissar Rex
- 1995: Bayerischer Fernsehpreis für Kommissar Rex
- 1995: Goldene Romy als beliebtester Serienstar
- 1996: Goldene Romy als beliebtester Serienstar
- 1997: Goldene Romy als beliebtester Serienstar
- 1998: Telegatto
- 1999: Adolf-Grimme-Preis
- 2001: Goldene Romy als beliebtester Schauspieler
- 2002: Adolf-Grimme-Preis
- 2002: Pfeifenraucher des Jahres
- 2003: Goldene Romy als beliebtester Schauspieler
- 2004: Goldene Romy als beliebtester Schauspieler
- 2004: Bayerischer Fernsehpreis für "Schwabenkinder"
- 2004: Deutscher Fernsehpreis für Die Rückkehr des Tanzlehrers
- 2005: Nestroy-Theaterpreis-Nominierung
- 2005: Gertrud-Eysoldt-Ring für die Titelrolle in Franz Grillparzers König Ottokars Glück und Ende in Bensheim, Regie: Martin Ku¨ej, bei den Salzburger Festspielen und im Wiener Burgtheater
Weblinks
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- Tobias Moretti in der und Version der Internet Movie Database
-
Normdaten: Personennamendatei (PND): | Library of Congress Control Number (LCCN):
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