Jacques Tardi (* 30. August 1946 in Valence) ist ein französischer Comic-Autor.
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Jacques Tardi (* 30. August 1946 in Valence) ist ein französischer Comic-Autor.
Leben und Werk
Jacques Tardi wurde in Valence geboren, verbrachte seine ersten Jahre aber in Deutschland bei seinem Vater, der als Soldat im kriegszerstörten Kassel stationiert war. Der Vater nahm seinen Abschied aus der Armee, um nicht nach Französisch-Indochina gehen zu müssen.
Nach seiner Schulzeit studierte er an der École des Beaux-Arts in Lyon und der Ecole nationale supérieure des arts décoratifs (ENSAD) in Paris. 1970 wurde nach mehreren Anläufen in der Zeitschrift Pilote die sechsseitige Geschichte "Un cheval en hiver" von ihm veröffentlicht. Den Text der Geschichte schrieb der damals ebenso unbekannte Jean Giraud (Moebius).
Sein erstes Album "Aufruhr in der Rouergue" veröffentlichte er nach seiner zweijährigen Militärzeit. Durchaus schon beachtet, gelang ihm Mitte der 1970er der endgültige Durchbruch mit seiner Comicreihe "Adeles ungewöhnliche Abenteuer" (zehn Bände), in der seine enorme Detailtreue bei der Illustration der urbanen Stadtlandschaften von Paris wie der Technologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts zutage tritt. Die Zeit der Belle Époque inspirierte ihn zu weiteren Werken, unter anderen dem früheren "Dämon im Eis", dessen Handlung er später mit "Adele" verknüpft.
Einen grossen Raum in seinem Werk nimmt der Erste Weltkrieg ein, den er zuerst in "Das Ende der Hoffnung" thematisiert. Das Album arbeitet er später als fünften Band in die Reihe "Adeles ungewöhnliche Abenteuer" ein und führt im sechsten Band die jeweiligen Protagonisten zusammen. In seinem wohl anspruchsvollsten Werk "Grabenkrieg" verarbeitet er authentische Kriegserlebnisse seines traumatisierten Grossvaters und zahlreiche andere Erlebnisberichte zu einer Collage der Schrecken des Krieges. Die von ihn durchgearbeitete umfangreiche Literatur- und Filmliste auf der letzten Seite des Buchs ist umfassend und spart auch keineswegs Werke aus, die die gegnerische, also deutsche Sicht beschreiben.
Daneben sind "Soldat Varlot", ein Charakter, den er zuvor in seiner Kriminalromanadaptionen "Den Letzten beissen die Hunde" verwendet hatte, und "Die wahre Geschichte vom unbekannten Soldaten" Belege für die intensive Beschäftigung mit diesem Thema. Die Handlung von "Den Letzten beissen die Hunde" spielt zwar nach dem Ersten Weltkrieg, das Schicksal aller Protagonisten ist aber eng mit ihm und dessen nachhaltigen Wirkungen verknüpft.
Ein weitere Hauptrichtung seines Werkes sind die Adaptionen vom Kriminalgeschichten vor historischer Kulisse. Insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Autor und Surrealisten Léo Malet war sehr fruchtbar und ergab eine kongeniale Verknüpfung zweier vorgeblicher "Trivialmedien". In "Die Brücke im Nebel" zeichnet er erstmals eine Geschichte nach einem der Romane um den zynischen Privatdetektiv Nestor Burma.
Der zweibändige Comicroman "120, Rue de la Gare" zur Zeit der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs verbindet eine fesselnde Kriminalgeschichte mit einer detaillierten Visualisierung der Zeit. Aufgrund des grossen Erfolgs dieses Meisterwerks folgten noch weitere Adaptionen von Malet'schen Geschichten mit Nestor Burma ("Kein Ticket für den Tod", "Wie steht mir der Tod?"), sowie eine von Tardi selbst entwickelte Geschichte mit Malet's Charakteren ("Blei in den Knochen").
Weitere Romanadaptionen von Kriminalgeschichten folgen: "Der Kakerlakenkiller" (Szenario von Benjamin Legrand), "Der Schnüffler" (Szenario von Jean-Patrick Manchette) , "Tödliche Spiele" (nach dem Roman von Géo-Charles Véran).
Der über hundert Seiten fassende Comicroman "Hier selbst", eine Zusammenarbeit mit Jean-Claude Forest, entstand in der Tradition der Fortsetzungsromane. In regelmässigen Abständen musste die Geschichte von den Autoren weitergeführt werden und vielfach gelang es ihnen erst unmittelbar vor dem jeweiligen Abgabetermin, die Arbeit an einer Folge fertigzustellen. Die weitere Handlung folgte dabei keinem vorher festgelegten Konzept, sondern entwickelte sich von einem Teil zum nächsten.
Nach einem sozialkritischen Werk über Arbeitslosigkeit ("Abwärts"), dem einzigen mit einem eindeutigen Gegenwartsbezug, wandte Tardi sich wieder einem historischen Thema zu, den Ereignissen der Pariser Kommune von 1871. Die von der Kritik hochgelobte Graphic Novel "Die Macht des Volkes" nach einem Roman von Jean Vautrin erschien in vier Bänden.
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