Frédéric François Chopin (poln. Fryderyk Franciszek Chopin, * 22. Februar oder 1. März 1810 in Żelazowa Wola, Herzogtum Warschau; + 17. Oktober 1849 in Paris) war einer der einflussreichsten und populärsten Pianisten und Klavierkomponisten des 19. Jahrhunderts. Der Sohn eines Franzosen und einer Polin wuchs in Warschau auf, verbrachte sein Berufsleben grösstenteils in Paris und gilt als bedeutendste Persönlichkeit in der Musikgeschichte Polens.
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Frédéric François Chopin (poln. Fryderyk Franciszek Chopin, * 22. Februar oder 1. März 1810 in Żelazowa Wola, Herzogtum Warschau; + 17. Oktober 1849 in Paris) war einer der einflussreichsten und populärsten Pianisten und Klavierkomponisten des 19. Jahrhunderts. Der Sohn eines Franzosen und einer Polin wuchs in Warschau auf, verbrachte sein Berufsleben grösstenteils in Paris und gilt als bedeutendste Persönlichkeit in der Musikgeschichte Polens.
Die frühen Jahre
Chopin wurde in Żelazowa Wola, etwa 52 Kilometer westlich von Warschau geboren. Sein Geburtsdatum ist nicht eindeutig gesichert. Die Taufe erfolgte an Ostern 1810, 23. April, in der Wehrkirche von Brochów. Auf dem lateinisch geschriebenen Eintrag im Kirchenbuch, der etwa 50 Jahre nach seinem Tode entdeckt wurde, ist als Name Fridericus Franciscus und Geburtsdatum der 22. Februar 1810 vermerkt. Der Vater ist als Nicolai Choppen Gali (Gali für "Gallier", d.h. Franzose) eingetragen, die Mutter als Justina de Krzyżanowskie, die Taufpaten als Franciscus Grembecki und Anna Skarbkowna. Auch die polnischsprachige Geburtsurkunde, in welcher Chopin als Frydrych Franciszek bezeichnet wird, mit der eigenhändigen Unterschrift des Vaters bestätigt den 22. Februar 1810. Nach Chopins eigener Angabe ist er am 1. März 1810 geboren.
Sein Vater Nicolas Chopin (1771-1844), ein Franzose, hatte auf dem väterlichen Weingut in Lothringen sein Auskommen gehabt, wanderte aber 1788 nach Polen aus, verdingte sich dort als Bürokraft und Hilfsarbeiter, nahm die polnische Staatsbürgerschaft an, kämpfte im Russisch-Polnischen Krieg und dem folgenden Kościuszko-Aufstand auf der Seite Polens und arbeitete nach dem Untergang des polnischen Staates als Hauslehrer für Französisch in verschiedenen adligen Familien.
Als er die aus einem verarmten polnischen Adelsgeschlecht stammende Justyna Krzyżanowska (* 1782), eine Verwandte eines seiner Arbeitgeber, kennenlernte und am 2. Juni 1806 heiratete, begrüsste ihre Familie diese Verbindung und vermittelte Nicolas Chopin eine Stelle als Französischlehrer an dem während der preussischen Herrschaft in Neuostpreussen (1795-1807) als Königlich-Preussisches Lyzäum zu Warschau gegründeten Gymnasium. Nachdem die Chopins 1810 nach Warschau umgezogen waren, nahmen sie im Schulgebäude, dem Sächsischen Palais, einige Untermieter auf, darunter Julian Fontana, der mit Frédéric Chopin in lebenslanger Freundschaft verbunden war. Er war bis zu seinem Umzug nach Amerika im Jahre 1841 als Kopist, Arrangeur, Sekretär und Impresario für Chopin tätig und veröffentlichte nach Chopins Tod einige von dessen nachgelassenen Werken.
Frédéric Chopin und seine drei Schwestern Ludwika (* 1807), Isabella (* 1811) und Emilia (* 1812) erhielten eine gründliche Erziehung, die von Herzlichkeit und Toleranz geprägt war. Der Tradition zufolge war es Aufgabe der Mutter sowie der Schwester Ludwika, den Jungen an das Klavier heranzuführen. Chopins musikalisches Talent zeigte sich früh, er galt als Wunderkind und komponierte schon im Alter von sieben Jahren. Seine ersten Polonaisen B-Dur und g-Moll sind auf 1817 datiert und liessen eine aussergewöhnliche improvisatorische Begabung erkennen. Sein einziger Lehrer war in den Jahren von 1816 bis 1822 der tschechische Pianist und Violinist Vojtěch Živný.
1818 wurde der österreichische Hofkomponist Adalbert Gyrowetz auf Chopin aufmerksam. Er führte ihn in die Kreise des österreichischen und polnischen Adels ein. 1818 spielte der Achtjährige anlässlich einer Wohltätigkeitsveranstaltung ein Konzert von Gyrowetz; ab dann trat er in den Salons des polnischen Hochadels auf.
Seit 1822 nahm Chopin Privatunterricht in Musiktheorie und Komposition bei Joseph Anton Franz Elsner. Ein Jahr später spielte er öffentlich ein Konzert von Ferdinand Ries.
Chopin besuchte bis 1826 das Königlich-Preussische Lyzeum zu Warschau und studierte anschliessend am Konservatorium zunächst Kontrapunkt, dann auch Musiktheorie, Generalbass und Komposition bei Elsner. Nebenher besuchte er Vorlesungen an der Universität. Er komponierte eifrig und legte die Ergebnisse Elsner vor, der dazu feststellte: "Er meidet die ausgetretenen Pfade und gewöhnlichen Methoden, aber auch sein Talent ist ungewöhnlich."
Chopins zweites veröffentlichtes Werk, die unter der Opus-Zahl 2 erschienenen Variationen über das Thema Là ci darem la mano aus der Mozart-Oper Don Giovanni, erregte wenige Jahre später Aufsehen in Deutschland. 1831 schrieb der Komponist Robert Schumann als Musikkritiker in der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitung unter dem Titel Ein Werk II. mit dem Ausruf "Hut ab, Ihr Herren, ein Genie" eine huldigende Rezension über dieses Werk Chopins. Im Juli 1829 beendete Chopin sein Studium. In Elsners Beurteilung heisst es: "Szopen Friderik. Szeczególna zdolność, geniusz muzyczny [Chopin Frédéric. Besondere Begabung, musikalisches Genie]."
Warschau, Wien und Paris
Zwischen 1829 und 1831 hielt sich Chopin abwechselnd in Warschau, Wien und in Paris auf. Er gab mehrere Konzerte, denen Publikum wie Fachpresse grosses Lob zollten. Die Allgemeine Musikalische Zeitung in Leipzig schrieb 1829:
Am 2. November 1830 verliess Frédéric Chopin zum ersten Mal für einen längeren Zeitraum Polen und reiste mit seinem Freund Tytus Woyciechowski nach Wien. Wenige Tage nach der Ankunft in Wien brachen im damaligen Kongresspolen schwere Aufstände gegen die russische Vorherrschaft aus. Sein Vater riet ihm, vorerst im Ausland zu bleiben. Mitte des Jahres 1831 entschied sich Chopin, endgültig nach Paris überzusiedeln, wo er bereits sehr anerkannt war.
"Die schönste aller Welten"
Die Baulichkeiten und das Ambiente der Stadt sowie das grossstädtische Flair der Parisiens faszinierten ihn. "Die schönste aller Welten", schrieb er in einem Brief nach Polen. Hier lernte er den von ihm als Pianisten verehrten Friedrich Kalkbrenner kennen, der ihm anbot, ihn drei Jahre lang zu unterrichten. Chopin lehnte dies ab, in der Sorge, seine persönliche Art des Klavierspiels zu verlieren. Selbstbewusst stellte er fest, nichts werde "imstande sein, einen vielleicht allzukühnen, aber edlen Willen und Plan, sich eine neue Welt zu schaffen, zu verwischen." Chopins Briefen kann man entnehmen, dass er den Vermutungen seiner Freunde und seines Lehrers Elsner entgegentrat, Kalkbrenner habe es nur darauf abgesehen, sich damit zu schmücken, der Lehrer Chopins zu sein.
In Paris finanzierte Chopin seinen Lebensunterhalt mit Konzerten. Zunächst deckten die Einnahmen gerade die Kosten, denn Chopin war noch nicht bekannt genug. Ein einflussreicher Förderer nahm ihn schliesslich mit zu einem Empfang bei der Familie Rothschild. Sein Klavierspiel entzückte die Gäste so sehr, dass er bald eine Reihe von Klavierschülern - und vornehmlich Klavierschülerinnen - gewonnen hatte. Dadurch hatte Chopin ab 1833 ein geregeltes Einkommen, das er durch Honorare für Konzerte und Kompositionen zusätzlich aufstocken konnte. Er konnte sich nun eine private Kutsche und Bedienstete leisten und liess seine Kleidung nur aus feinsten Stoffen fertigen. Sein aufwändiger Lebensstil verschlang so viel Geld, dass er sich bald genötigt sah, statt vier Stunden nun fünf Stunden täglich zu unterrichten.
Zu Chopins Freundeskreis zählten u.a. die Dichter Alfred de Musset, Honoré de Balzac, Heinrich Heine und Adam Mickiewicz, der Maler Eugène Delacroix, die Musiker Franz Liszt, Ferdinand Hiller und Auguste Franchomme sowie die Schriftstellerin George Sand. Sie hatte er im Hause Franz Liszts kennengelernt, und seine erste Reaktion auf diese in Männerkleidung auftretende, Zigarren rauchende Frau war pure Ablehnung: "Was für eine unsympathische Frau sie doch ist! Ist sie denn wirklich eine Frau? Ich möchte es fast bezweifeln." 1835 machte er in Leipzig, vermittelt durch Felix Mendelssohn Bartholdy, Bekanntschaft mit Clara Wieck und Robert Schumann sowie 1836 mit Adolph von Henselt in Karlsbad.
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