Franz Peter Schubert (* 31. Januar 1797 am Himmelpfortgrund in Wien, heute Teil des 9. Wiener Gemeindebezirks Alsergrund; + 19. November 1828 in Wien) war ein österreichischer Komponist.
Biografie [Bearbeiten]
Angesichts der zunehmenden Unvereinbarkeit seiner Lehrerstelle mit dem Komponieren unternahm Schubert zahlreiche Versuche, sich als Komponist zu etablieren. Aber die Verlage lehnten die Publikation seiner Werke ab. Im Frühjahr 1816 bewarb er sich erfolglos um den Posten eines Kapellmeisters in Laibach (jetzt Ljubljana). Über seinen Freund Spaun kam er in Kontakt mit Franz von Schober. Auf dessen Vorschlag verliess Schubert seine Lehrerstelle und zog für acht Monate in Schobers Wohnung, um mehr Zeit mit der Komposition zu verbringen. Von den Kompositionen aus diesem Jahr seien nur die Goethe-Ballade Erlkönig, die Prometheus-Kantate, die beiden Sinfonien Nr. 4 c-Moll (die "Tragische") und Nr. 5 B-Dur sowie die Messe Nr. 4 C-Dur erwähnt.
Während dieser ganzen Zeit weitete sich sein Freundeskreis ständig aus. Der Dichter Johann Mayrhofer, den er im Dezember 1814 kennengelernt hatte, schrieb ihm zwei Libretti. Schober machte ihn mit dem Bariton Johann Michael Vogl bekannt, einem der wichtigsten Sänger an der Wiener Hofoper, der seine Lieder bald in den literarischen Salons sang und ihn damit der Öffentlichkeit vorstellte. Der Pianist Josef von Gahy spielte seine Sonaten und Fantasien. Die Sonnleithners, eine musikalische Bürgerfamilie, insbesondere deren ältester Sohn, Leopold von Sonnleithner, organisierten zu seinen Ehren musikalische Zusammenkünfte, die ab 1821 als Schubertiaden bezeichnet wurden (und in ähnlicher, aber auch völlig anders organisierter Form noch immer stattfinden).
Schubert hatte kein eigentliches Einkommen, denn seine Lehrerstelle hatte er aufgegeben, öffentliche Auftritte brachten nichts ein, die Verleger interessierten sich noch nicht für seine Musik. Für sein Auskommen mussten teils seine Freunde sorgen. In einer sogenannten Unsinnsgesellschaft junger Künstler pflegte er enge Kontakte zu den Brüdern Kupelwieser, seinem späteren Librettisten Joseph Kupelwieser und dem Maler Leopold Kupelwieser, der als einer der wenigen authentische zeitgenössische Porträts von Schubert gemalt hat - neben Wilhelm August Rieder (Aquarell 1825) und Anton Depauly (dessen Porträt von 1828 ursprünglich und irrtümlich Joseph Willibrord Mähler oder Franz Eybl zugeschrieben wurde).
Als Schubert 1817 zum ersten Mal vom Lehrerdienst befreit war, widmete er sich insbesondere der Klaviersonate (a-Moll D 537, As-Dur D 557, e-Moll D 566, Des-Dur D 567, fis-Moll D 570, H-Dur D 575). Auch die Entstehung einiger seiner bekanntesten Lieder fiel in diese Zeit (etwa Ganymed, Der Tod und das Mädchen oder Die Forelle).
Im Januar 1818 erschien mit dem Lied Erlafsee (D 586) Schuberts erste Komposition im Druck (als Beilage zur von Franz Sartori herausgegebenen Anthologie "Mahlerisches Taschenbuch für Freunde interessanter Gegenden. Natur- und Kunst-Merkwürdigkeiten der Österreichischen Monarchie").
Von Anfang Juli bis Mitte November 1818 (und auch im Sommer 1824) war er von der Familie des Grafen Johann Carl Esterházy, die er schon in dessen Stadtpalais in Wien musikalisch betreut hatte, als Sing- und Klaviermeister auf dem Gut in Zselíz/Zelis in Ungarn (heute Slowakei) engagiert. Für die Komtessen Marie und Caroline, die Töchter des Grafen, schrieb er vierhändige Stücke und Lieder. Im gleichen Jahr schuf er seine Sinfonie Nr. 6 in C-Dur.
Bei seiner Rückkehr nach Wien im Spätherbst 1818 kam Schubert nicht mehr bei Schober unter und wohnte nun zwei Jahre mit Johann Mayrhofer. Sein Leben ging nun wieder den alten Gang: Jeden Morgen begann er nach dem Aufstehen mit dem Komponieren, ass um zwei Uhr, ging spazieren und wandte sich dann erneut der Komposition zu oder besuchte Freunde. Seine Entscheidung gegen den Lehrerberuf war nun endgültig.
Seinen ersten Auftritt als Liedkomponist hatte er am 28. Februar 1819 im Saal des Hotels "Zum Römischen Kaiser" mit Schäfers Klagelied. Im Sommer des gleichen Jahres ging er zusammen mit Vogl auf Urlaub in Oberösterreich. Im Herbst schickte er drei seiner Lieder an Goethe, aber - soweit bekannt - ohne Erfolg.
1821 begann die Freundschaft mit Moritz von Schwind. Schubert wohnte zeitweise wieder bei seinem Freund Franz von Schober, etwa 1822 im Göttweiger Hof, wo unter anderem die Unvollendete und die Wanderer-Fantasie entstanden. Es fanden Schubertiaden im Freundeskreis statt, unter anderem im niederösterreichischen Schloss Atzenbrugg, wo Schobers Onkel Gutsverwalter war. Etliche Gedichtvertonungen, so Jägers Liebeslied, beziehen sich auf die Freundschaft mit Schober.
Ähnlich wie bei Schuberts Beziehung zu Mayrhofer wurde darob eine Homosexualität Schuberts konstatiert. Thomas Phleps wehrt sich dagegen, weil eine solche Kategorisierung der Freundschaftsbeziehungen, ähnlich wie die Einordnung Schuberts in ein "weinselig-weibernärrisches Schwammerlklischee", als unnatürliche, nachträgliche Konstruktion wirke.
1821/22 verdiente er an der Veröffentlichung von Opus 1-7 und 10-12 etwa 800 fl. Konventionsmünze. Als Schulgehilfe hatte er von seinem Vater neben Kost und Logis lediglich 80 fl. jährlich bekommen. Otto Erich Deutsch schätzte Schuberts weiteres Einkommen aus Veröffentlichungen, Honoraren und Geschenken zwischen 1822 und 1828 auf etwa 7000 fl. Konventionsmünze.
Ermutigt von den Erfolgen versuchte Schubert nun, sich als Bühnenkomponist zu etablieren, wurde aber in seinen Hoffnungen enttäuscht. Sowohl Alfonso und Estrella - komponiert zwischen September 1821 und Februar 1822 - als auch Die Verschworenen nach Ignaz Franz Castelli (April 1823) wurden vom Theater abgelehnt, Fierrabras (Herbst 1823) nach ersten Proben abgesetzt. Die Schauspielmusik zu Helmina von Chézys Rosamunde wurde zwar gut angenommen, das Stück selbst aber nach zwei Abenden abgesetzt.
Schuberts Gesundheitszustand gab Anlass zu Spekulationen. Mit zunehmendem Alter wurde er korpulenter und neigte zu alkoholischen Exzessen. Die erste authentisch überlieferte Krankheit befiel ihn im Dezember 1822. Ein Krankenhausaufenthalt im Herbst 1823 brachte zwar Besserung, aber schon im nächsten Frühjahr scheint die Krankheit den Komponisten psychisch besonders schwer belastet zu haben ("ich fühle mich als den unglücklichsten, elendsten Menschen der Welt" schrieb er an Leopold Kupelwieser). Nach gängiger Auffassung der Schubertforschung hatte sich Schubert damals eine venerische Erkrankung zugezogen, wohl Syphilis, denn er befand sich im Januar 1823 zu stationärer Behandlung im Wiener Allgemeinen Krankenhaus wegen syphilitischer Geschwüre.
Das meiste für Schuldienst oder verkaufte Kompositionen eingenommene Geld gab er für Abende im Freundeskreis in den Altwiener Gasthäusern aus, was seinem Ruf nicht gerade förderlich war. Konnte er seine Rechnung nicht bezahlen, nahm der Wirt jedoch auch gerne ein Lied in Zahlung, das Schubert oft gleich am Wirtshaustisch komponierte.
Trotz seiner Beschäftigung mit der Bühne und später mit seinen offiziellen Pflichten fand er während dieser Jahre die Zeit für viele andere Kompositionen. 1822 wurde die Messe Nr. 5 As-Dur beendet und die Sinfonie in h-Moll begonnen. Sein erster berühmter Liederzyklus Die schöne Müllerin stammt aus dem Jahr 1823, die Variationen auf Trockne Blumen und zwei Streichquartette in a-Moll und d-Moll (Der Tod und das Mädchen) aus dem Jahr 1824.
Im Frühjahr 1824 schrieb er sein Oktett F-Dur. Von Ende Mai bis Mitte Oktober 1824 war er zum zweiten Mal in Zelis engagiert. Er widmete der 19-jährigen Komtesse Caroline Esterházy die drei Lieder "Ungeduld", "Morgengruss" und "Des Müllers Blumen" aus der Schönen Müllerin. Dort notierte Schubert auch die zweihändige Mélodie hongroise D 817 und arbeitete sie im Finale des vierhändigen Divertissement à la Hongroise D 818 aus, das wohl nach der Rückkehr aus Zelis entstand. In Zelis entstand ferner die vierhändige Klaviersonate D 812, das Grand Duo. Auf Vorschlag von Gräfin Rosine Esterházy vertonte er das "Gebet" von Friedrich de la Motte Fouqué als Vokalquartett.
Im Jahr 1825 hatte Schubert noch einmal eine glücklichere Phase, in die eine Reise nach Oberösterreich fiel. Dort arbeitete er an der Grossen Sinfonie C-Dur und schrieb seine Klaviersonate D-Dur (D 850); wohl bereits kurz zuvor war die Klaviersonate a-Moll (D 845) entstanden, die er zu einem recht hohen Preis veröffentlichen konnte. Er schloss Freundschaft mit Eduard von Bauernfeld. Weiterhin pflegte er seine Kontakte zu Anselm Hüttenbrenner und Johann Baptist Jenger, den Freunden in der Steiermark.
Die letzten Jahre [Bearbeiten]
Von 1826 bis 1828 hielt sich Schubert - abgesehen von einem kurzen Aufenthalt in Graz - in Wien auf. Die Stelle des Vizekapellmeisters an der kaiserlichen Hofkapelle, um die er sich 1826 bewarb, wurde nicht an ihn, sondern an Joseph Weigl vergeben. Am 26. März 1828 gab er das einzige öffentliche Konzert seiner Karriere, das ihm 800 Gulden Wiener Währung (320 fl. Konventionsmünze) einbrachte. Zahlreiche Lieder und Klavierwerke wurden inzwischen gedruckt.
Die endgültige Fassung des Streichquartetts d-Moll mit den Variationen auf Der Tod und das Mädchen schrieb er während des Winters 1825/1826. 1826 folgten das Streichquartett G-Dur, das Rondeau brillant für Klavier und Violine, die Klaviersonate in G-Dur sowie Schuberts bekanntestes geistliches Werk, die Deutsche Messe. 1827 komponierte er den Liederzyklus Winterreise, die Fantasie für Klavier und Violine und die beiden Klaviertrios in B-Dur und Es-Dur. 1828 schrieb er die Messe Nr. 6 Es-Dur, das Streichquintett C-Dur (D 956), die zusammengehörigen letzten drei Klaviersonaten (D 958-960) und eine Liedersammlung, die nach seinem Tod veröffentlicht und Schwanengesang genannt wurde. Ferner skizzierte er noch drei Sätze für eine Sinfonie in D-Dur.
Am 19. November 1828 um 3 Uhr Nachmittag starb Franz Schubert nach zwei Wochen kontinuierlichen Fiebers im Alter von 31 Jahren in der Wohnung seines Bruders Ferdinand Schubert, im Haus "Auf der neuen Wieden N° 694" (heute Kettenbrückengasse 6), an "Nervenfieber". Obwohl er sich, wie erwähnt, um den Jahreswechsel 1822/23 eine Geschlechtskrankheit zugezogen hatte, dürfte die Todesursache eine akute Infektionskrankheit gewesen sein, wahrscheinlich Typhus abdominalis.
Schubert wurde auf dem Währinger Friedhof in der Nähe von Ludwig van Beethovens Grab bestattet.
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