David Bowie (* 8. Januar 1947 in London, bürgerlich David Robert Haywood Jones) ist ein britischer Musiker, Sänger, Produzent, Schauspieler und Maler. Bowie gilt als einer der einflussreichsten Popkünstler der jüngeren Musikgeschichte. Weltweit hat er über 140 Millionen Tonträger verkauft.
Biografie [Bearbeiten]
Kindheit und Jugend [Bearbeiten]
David Robert Jones wurde 1947 als Sohn von Haywood Stenton Jones, genannt "John" und Margaret "Peggy" Mary Burns im Londoner Stadtteil Brixton geboren. Die Eltern hatten während der Kriegsjahre ein unruhiges Leben geführt, beide hatten bereits Kinder und suchten nun in ihren Dreissigern nach Ruhe. Die Familie lebte in Brixton in einfachen, aber gesicherten Verhältnissen. Das Klima in der Familie war von Schweigsamkeit geprägt. Bowie sagte dazu 1993 in einem Interview: "Meine Kindheit war nicht glücklich. Nicht, dass es brutal zugegangen wäre, aber ich hatte eine ganz bestimmte Art britischer Eltern: Sie waren ziemlich unterkühlt, und man nahm sich nicht oft in den Arm". David war ein schüchternes und höfliches Kind.
Ab Anfang der 1950er Jahre stieg die Familie sozial auf. Im Winter 1953 zog sie in den Mittelklasse-Vorort Bromley, in dem Bowie von nun an aufwuchs. Ihn beeindruckte ein Fernseher, den man angeschafft hatte. Er selbst wurde zum Vorzeigeobjekt des Statusstrebens der Eltern, die auf seine ordentliche Kleidung und ein adrettes Äusseres sehr viel Wert legten. Eine besonders enge Bindung hatte David zu seinem älteren Halbbruder Terry, der als Sohn seiner Mutter ebenfalls im Haus lebte. Terry liebte seinen kleinen Bruder, David wiederum bewunderte den älteren, emotionalen und rebellischen Terry. Die zwei Kinder wurden von den Eltern sehr unterschiedlich behandelt; während man David verwöhnte, wurde Terry meist nur mit kühler Freundlichkeit behandelt und oft ignoriert.
Erste Schritte [Bearbeiten]
Im Alter von neun Jahren kam David über seinen Vater, der ihm seine ersten Singles schenkte, mit Rock 'n' Roll in Kontakt. Über die erste Platte, Little Richards Tutti Frutti, sagte er später: "Ich hatte Gott gehört." Neben seinen Eltern förderte auch sein Bruder Terry das in David erweckte Musikinteresse, indem er ihn mit US-Beat-Poeten und dem Jazz bekanntmachte und den damals 13-jährigen beispielsweise zu Konzerten im Londoner Unterhaltungsviertel Soho mitnahm. 1962, im Alter von 15 Jahren, sang Bowie unter dem Künstlernamen Dave Jay in der Gruppe The Kon-Rads und spielte dort auch Saxophon. Die Band nahm im August 1963 für Decca eine von Bowie mitkomponierte Single mit dem Titel I Never Dreamed auf, allerdings erfolglos, woraufhin Bowie die Gruppe verliess. 1964 nahm er seine erste eigene Single Liza Jane auf, die ebenfalls floppte. Über die 1960er-Jahre sammelte er Erfahrungen als Sänger und Musiker in verschiedenen weiteren Bands wie den Manish Boys oder den Lower Third, die alle keine grössere Bekanntheit erlangten. 1967 arbeitete er mit dem britischen Pantomimen Lindsay Kemp zusammen, dessen Einfluss sich in den folgenden Jahren in Bowies Bühnenshows zeigte. Durch diese Erfahrungen fing der schüchterne junge Bowie allmählich an, sehr vielseitige künstlerische Ausdrucksweisen zu entwickeln, welche im Verlauf seiner weiteren Karriere in verschiedenen Images und Outfits ihren Ausdruck fanden, zum Beispiel in den Figuren Major Tom, dem Ausserirdischen Ziggy Stardust, Aladdin Sane, dem Thin White Duke (Album Station to Station) oder Nathan Adler (Album 1. Outside). Jetzt als aufstrebender Rockstar fürchtete er, dass sein Name dem von Davy Jones, einem Mitglied der damals berühmten Band The Monkees zu ähnlich wäre. Daraufhin nahm er den Künstlernamen "Bowie" nach Jim Bowie an und nannte sich fortan David Bowie.
Sein 1967 erschienenes Debütalbum David Bowie enthielt einige Songs, die von Musicals inspiriert waren, daneben Folksongs und Balladen, unter anderem die Titel Please Mr. Gravedigger und The Laughing Gnome. Es war kommerziell nicht erfolgreich, so dass er (jetzt als David Bowie), sein Konzept änderte. Starthilfe bekam er von seinem späteren Produzenten Tony Visconti, den er Ende 1967 kennenlernte, und der auch für seinen Freund Marc Bolan arbeitete. Anfang 1969 wurde ein halbstündiger Promotion-Film mit dem Titel Love You Till Tuesday gedreht. Dabei wurden einige Lieder des ersten Albums und einige neue Kompositionen in Szene gesetzt. Eine dieser Neukompositionen - als letztes ins Set aufgenommen - war die Weltraumballade Space Oddity. Bowie wurde dazu vom Stanley-Kubrick-Film 2001: Odyssee im Weltraum inspiriert und beschreibt darin den Raketenstart des fiktiven Astronauten Major Tom und dessen Gefühle alleine im Weltall sowie die Kommunikation mit der Bodenstation, die am Ende des Liedes plötzlich abbricht. Zehn Jahre später, im Lied Ashes to Ashes, löst Bowie den Weltraum-Trip mitsamt der Angstzustände in Major Tom als Drogentrip und Halluzinationen eines Drogensüchtigen auf, und Major Tom erscheint im Nachhinein als Junkie.
Im November 1969 erschien das zweite Album - in den Vereinigten Staaten unter dem Titel Man of Words, Man of Music - in Grossbritannien wie bereits das erste Album erneut unter dem Titel David Bowie. 1972 wurde es von RCA Records unter dem Titel Space Oddity und mit neuem Cover wiederveröffentlicht. Das Album enthält eine Neuaufnahme von Space Oddity, die auch als Single veröffentlicht und Bowies erster echter kommerzieller Erfolg wurde. Es erreichte in Grossbritannien Platz sechs der Verkaufscharts und hielt sich vier Wochen in den Top-Ten, bei einer erneuten Veröffentlichung erreichte der Titel 1975 sogar den ersten Platz. Das von Gus Dudgeon produzierte Lied fiel mit seinem Novelty-Song-Charakter aus dem Gesamtalbum heraus. Das restliche Album war von Visconti produziert und mit der Mischung aus Folk-Musik, Bowies Stimme und seiner zwölfsaitigen Gitarre kein kommerzieller Erfolg.
Anfang 1970 nahm Bowie zusammen mit Marc Bolan zwei neue Songs auf: The Prettiest Star, das auch als Single erschien, und London by Ta Ta. Im Mai erschien eine Neuaufnahme von Memory of a Free Festival als Single. Obwohl diese Single ebenfalls erfolglos blieb, ist sie historisch interessant, da hier zum ersten Mal der Gitarrist Mick Ronson auf einer Studioaufnahme zu hören ist. Bis 1973 blieb er Bowies musikalischer Begleiter. Bowie, Ronson, Visconti am Bass und John Cambridge am Schlagzeug traten ab Anfang 1970 kurzzeitig unter dem Bandnamen The Hype auf. Mit dieser Band versuchte sich Bowie an einem neuen Bühnenkonzept, indem die vier in Kostümen auftraten und Stilmittel des Theaters nutzten. So verkleidete sich Bowie als "Rainbow Man", Visconti als "Hype Man", Ronson als "Gangsterman" und Cambridge als "Pirate Man".
1971 erschien eine weitere erfolglose Single (Holy Holy) und Bowies drittes Album mit dem Titel The Man Who Sold the World, das wiederum von Visconti produziert wurde. Musikalisch lehnte es sich an die Musikrichtung an, die man damals Hard Rock nannte, musikalisch dominierte Ronsons Gitarrenspiel. In den Texten bezog sich Bowie auf Science-Fiction, Buddhismus und Mystik. Auf dem Cover zeigte sich Bowie in einem Kleid, wodurch er sich bewusst ein androgynes Image gab, das seine Auftritte in den frühen 1970er-Jahren prägte. 1972 wurde The Man Who Sold the World von RCA mit neuem und weniger kontroversem Cover wiederveröffentlicht. Insgesamt war auch dieses Album kommerziell wenig erfolgreich. Der Titelsong indes wurde in den späteren Jahren mehrmals gecovert, so von Lulu und Nirvana.
Durchbruch [Bearbeiten]
Mit Hunky Dory folgte 1971 ein weiteres Album. Als Keyboarder war hier Rick Wakeman zu hören, der später mit Yes bekannt wurde. Zudem spielten alle Mitglieder der kommenden Begleitband von Ziggy Stardust "The Spiders from Mars" mit Mick Ronson (Gitarre), Mick (Woody) Woodmansey (Schlagzeug) und Trevor Bolder (Bass). Es war Bowies Debütalbum für die Plattenfirma RCA Records, an die ihn sein neuer Manager Tony DeFries vermittelt hatte. Es enthält unter anderem einen der bekanntesten Bowie-Songs, Changes, und die Ballade Life on Mars?, nach der 2006 eine Fernsehserie benannt wurde. Bowies Beschäftigung mit der damaligen Musik- und Kunstszene der USA zeigte sich auf diesem Album in Referenzen an Bob Dylan, The Velvet Underground und Andy Warhol. Nach eigener Aussage erfuhr Bowie für dieses Album zum ersten Mal breitere künstlerische Anerkennung, mit den nächsten Alben wurde er zur Ikone des Glam Rock.
1972 gelang Bowie der kommerzielle Durchbruch: Mit dem Album The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars und der anschliessenden Welttournee, die bis 1973 dauerte, wurde er überall bekannt. Ein Grund dafür war die "Erfindung" seines Aufsehen erregenden Alter Egos Ziggy Stardust, dessen Aufstieg und Fall in einer dem Untergang geweihten Welt erzählt wird. Ein weiterer war seine theatralische Bühnenshow mit ihren provozierend homoerotischen Zügen. Dieses damals skandalöse Spiel mit der Homosexualität feuerte Bowie zusätzlich an, indem er sich in einem Interview als "schwul" outete, obwohl er nicht nur seit zwei Jahren mit Angela Barnett verheiratet war, sondern auch seit bald einem Jahr der gemeinsame Sohn Duncan Zowie Hayword Jones lebte, den Bowie später alleine erzog.
Ende 1972 konnte Bowie mit The Jean Genie einen Top-Ten-Hit in seinem Heimatland verzeichnen. Bei seinem Album Aladdin Sane arbeitete erstmals der Pianist Mike Garson mit, der Bowie bis heute begleitet. Für das Album trafen in England über 100.000 Vorbestellungen ein, eine Zahl, die bis dahin nur die Beatles erreicht hatten. Am 3. Juli 1973 liess Bowie Ziggy Stardust im letzten Konzert seiner Welttournee in London "sterben" (My Death - Jacques Brel), bevor er zum letzten Mal mit seiner Band Rock 'n' Roll Suicide intonierte.
In dieser Zeit wirkte Bowie auch als Produzent und Förderer anderer Musiker; so produzierte er unter anderem Lou Reeds zweites Soloalbum (Transformer, 1972, bekanntestes Lied Walk on the Wild Side), schrieb für die Band Mott the Hoople einen kommerziell erfolgreichen Song (All the Young Dudes, 1972) und produzierte deren gleichnamiges Album wie auch ein Iggy-Pop-/The-Stooges-Album (Raw Power, 1973). 1973 nahm Bowie zudem das Album Pin Ups auf, das nur Coverversionen aus den 60ern enthält.
Das Konzeptalbum Diamond Dogs (1974), das in weiten Teilen auf George Orwells Dystopie 1984 basierte, nahm Bowie ohne seine bisherige Begleitband "The Spiders from Mars" und seinen langjährigen Wegbegleiter, den Lead-Gitarristen Mick Ronson, auf. Bowie zerstritt sich während der US-Tournee mit seinem Manager DeFries und blieb auf einem Schuldenberg sitzen.
Beeinflusst durch seinen Umzug nach New York, entstand in den Sigma Sound Studios 1975 das Album Young Americans, ein musikalischer Neuanfang, in dem sich Bowie mit der Musik befasste, die ihn als jungen Mann prägte, nämlich Rhythm and Blues und Soul; er selbst nannte seine Musik ironisch "Plasticsoul". Bowie trat zu dieser Zeit im Massanzug auf - ein weiterer Imagewechsel des Künstlers. Auf dem Album enthalten ist Bowies erster Nummer-eins-Hit in den Vereinigten Staaten, Fame. Dieser Song, den Bowie zusammen mit John Lennon in einer Session in den "Electric Lady Studios" in New York aufnahm, war ursprünglich gar nicht zur Veröffentlichung vorgesehen.
Im Anschluss an die Albumproduktion übernahm David Bowie die Hauptrolle in dem Science-Fiction-Film The Man Who Fell to Earth von Nicolas Roeg. Danach produzierte er in Los Angeles das Album Station to Station, das Anfang 1976 erschien. Nach der "White-Light Tour" 1976 zog der Musiker zurück nach Europa. Er ging zunächst in die Schweiz und nach den Aufnahmen für das Album Low in Frankreich nach Berlin.
Die Berliner Phase [Bearbeiten]
Von 1976 bis 1978 bewohnte Bowie eine Siebenzimmer-Altbauwohnung in der Hauptstrasse 155 im West-Berliner Bezirk Schöneberg. In späteren Interviews, unter anderen bei einer Reportage des deutsch-französischen Fernsehsender ARTE, bezeichnete er West-Berlin auch als damalige "Welthauptstadt des Heroins".
In den Berliner Hansa-Studios wurde das mit Brian Eno und Tony Visconti eingespielte Album Low aufgenommen, das den ersten Teil der sogenannten Berlin-Trilogie darstellt. Bowie war von deutschen Bands wie Kraftwerk, Cluster, Can oder Neu!, aber auch von Steve Reich beeinflusst. Von Anfang an waren die Alben als Experiment geplant, bei denen es nicht um Verkaufszahlen gehen sollte. Trotzdem war die ausgekoppelte Hitsingle "Sound and Vision" ein grosser Charterfolg der in Deutschland bis auf Platz 6 stieg, in England erreiche er sogar Platz 3.
Während die erste Seite (LP) von "Low" eher aus Songfragmenten besteht, als aus ausformulierten Liedern, überraschte die zweite Seite damit, fast ausschliesslich aus Instrumentalstücken zu bestehen, wie auch beim Nachfolger "Heroes", der wenige Monate später ebenfalls in Berlin aufgenommen wurde.
Heroes enthält mit dem gleichnamigen Titelstück eines der bekanntesten Lieder Bowies, das mehrsprachig in Französisch/Englisch und Deutsch/Englisch aufgenommen wurde. Der Text des Liedes handelt von zwei Liebenden, die sich an einer Mauer küssen. Bowie verarbeitet im Song sowohl eigene Beobachtungen, die er in Berlin gemacht hat, als auch Eindrücke des Expressionismus der 1920er Jahre (hier das Gemälde von Otto Mueller Liebespaar zwischen Gartenmauern von 1916).
Mit Iggy Pop, der mit Bowie nach Berlin kam und im selben Haus eine Nachbarwohnung bezog, nahm Bowie in Berlin ebenfalls die Alben The Idiot und Lust for Life auf, deren Musik grösstenteils von ihm geschrieben wurde, und ging als Keyboarder mit Iggy Pop auf Tournee. In den Jahren in Berlin drehte er ausserdem den Film Schöner Gigolo, armer Gigolo, ein eher unbekanntes Werk der Filmgeschichte, gleichwohl der letzte Film von Marlene Dietrich.
1978 ging Bowie wieder auf Tournee und nahm unter anderem das Kindermärchen Peter und der Wolf mit dem Philadelphia Orchestra auf. Im selben Jahr wurde das Live-Album Stage veröffentlicht, und Bowie zog in die Schweiz.
Bowie und Eno nahmen 1979 ihr drittes sogenanntes Berliner Album Lodger im Mountain Studio in Montreux, nahe Bowies damaliger Residenz, auf. Es wurde in New York gemixt und lieferte mit den Singles Boys Keep Swinging und DJ kleinere Erfolge in den Charts, besonders in England.
Das neue Jahrzehnt begann für David Bowie nach der Scheidung von Angela Barnett und dem alleinigen Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn mit seinem Broadway-Debüt in dem Stück The Elephant Man, in dem er als Schauspieler von Kritikern gelobt wurde. 1980 hatte Bowie mit dem Album Scary Monsters, dem bis 2002 letzten von Tony Visconti produzierten Album, und dessen Singleauskopplung Ashes to Ashes Erfolg.
1981 war er in einem Cameo-Auftritt in dem Film Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo bei einem Konzert in der Deutschlandhalle zu sehen. Der Soundtrack besteht ausschliesslich aus Liedern von David Bowie, einschliesslich des Titelsongs Heroes.
Mit Queen nahm Bowie 1981 den Song Under Pressure auf. Der Song entstand in einer sechsstündigen Session und wurde Nummer eins in Grossbritannien.
1982 spielte Bowie neben Catherine Deneuve und Susan Sarandon in dem Film Begierde von Tony Scott mit und es erschien das zweite Best-of-Album ChangesTwoBowie.
Erfolge in den Charts der 1980er-Jahre [Bearbeiten]
1983 veröffentlichte er sein erstes Album für sein neues Label EMI, Let's Dance. Es wurde von Nile Rodgers produziert. Es war massentauglich angelegt und gemeinsam mit der darauffolgenden Serious Moonlight-Tour mit Abstand der grösste kommerzielle Erfolg, den Bowie je hatte.
Die Single Let's Dance schaffte es in den Vereinigten Staaten auf Platz eins und hielt sich dort neben so erfolgreichen Singles wie Michael Jacksons Billie Jean. Auch weitere Songs des Albums, wie etwa China Girl, konnten sich oben in den Charts platzieren. Die Tour führte Bowie und seine Mitarbeiter von Mai 1983 bis Dezember einmal um die ganze Welt. David Bowie stand jetzt nicht mehr für aussergewöhnliche Musik mit experimentellen Eigenheiten, sondern auch für publikumsfreundlichen Pop.
Nach Let's Dance folgte jedoch eine innere Schaffenskrise nach dem Abebben des ersten Massenerfolgs. Die folgenden Alben Tonight (1984) und Never Let Me Down (1987) wurden von den Kritikern zerrissen und gelten bis heute als seine schlechtesten. Trotz späterer abfälliger Bemerkungen Bowies über seine eigene Schaffensperiode zwischen 1984 und 1987 fallen in diese Zeit relativ erfolgreiche Titel wie This Is Not America (mit Pat Metheny), die Single Absolute Beginners aus dem Soundtrack zum gleichnamigen Film, die Filmmusik zu Labyrinth (in dem er eine Hauptrolle spielte) und der epische Titelsong zu When The Wind Blows.
Neufindung [Bearbeiten]
Nach dem kommerziellen und künstlerischen Misserfolg des Albums Never Let Me Down von 1987 tauchte Bowie zwei Jahre später mit dem Tin-Machine-Projekt wieder auf. Tin Machine war die Band um Reeves Gabrels und die Brüder Hunt und Tony Sales, mit denen Bowie 1977 die Iggy-Pop-Platte Lust For Life als Produzent und Co-Autor eingespielt hatte. Bowie bestand darauf, nur "ein Bandmitglied unter vielen" zu sein, und lehnte jede Sonderrolle ab. 1991 folgte Tin Machine II und eine mässig erfolgreiche Single, You Belong in Rock 'n' Roll.
Dieses Projekt fand 1993 mit dem Solo-Album Black Tie, White Noise (wiederum von Nile Rodgers produziert) ein Ende. Künstlerisch insgesamt wenig innovativ und kommerziell aufgrund von Vertriebsproblemen vor allem in den USA gescheitert, markierte es seiner Meinung nach die Überwindung der Schaffenskrise in den 1980er-Jahren. Die 1992 erfolgte Heirat mit Iman Abdulmajid, weltweit bekanntes Fotomodell und Schauspielerin aus Somalia, prägte die musikalische Stimmung des Werkes.
Ein künstlerisch überzeugenderes Lebenszeichen war demgegenüber sein Album zur Verfilmung von Hanif Kureishis The Buddha of Suburbia, irreführend als Soundtrack bezeichnet und vertrieben.
Das im September 1995 erschienene, wiederum mit Brian Eno produzierte, sehr vielschichtige und experimentierfreudige Album 1. Outside war, trotz einiger positiver (und vieler irritierter) Kritiken, kommerziell ebenfalls nicht erfolgreich. Bei der anschliessenden, mit 100 Konzerten weltumspannenden, Outside-Tour standen Bowie mit Placebo in Europa und Nine Inch Nails in den Vereinigten Staaten bekannte Bands als Vorprogramm zur Verfügung.
Darauf folgte mit Earthling von 1997 eine Arbeit, die einerseits den Schaffensdrang Bowies erneut bestätigte und starke Einflüsse des Drum and Bass aufweist. Künstlerisch wie kommerziell vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erzeugte das Nachfolgealbum Hours… (1999), in dem sich Bowie wieder einfacheren Songstrukturen zuwandte.
2002 brachte mit Heathen die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Tony Visconti. Künstlerisch wie kommerziell (vor allem auch in Deutschland) fügte sich das Album für einen Teil der Fans an klassische Bowie-Werke und wurde zum Teil auch von Kritikern und Fans als Comeback angesehen.
2003 erschien, wiederum von Tony Visconti produziert, das Album Reality mit den Singleauskopplungen New Killer Star und Never Get Old.
Im Vorfeld seiner Veröffentlichung, am 8. September 2003, schrieb Bowie Musik- und Technologie-Geschichte: An diesem Tag wurde sein neues Studioalbum in Kinos auf der ganzen Welt live und interaktiv präsentiert. Eine eigens für diesen Anlass produzierte Live-Show wurde per Satellit in die Lichtspielhäuser gesendet. Die Show wurde in alle teilnehmenden europäischen Kinos gleichzeitig übertragen und - bedingt durch den Zeitunterschied - einen Tag später in Asien, Japan und Australien, sowie Nordamerika, Kanada und Südamerika. Die Show wurde im digitalen Breitbildformat gefilmt, der Ton im DTS-5.1-Surround-Sound aufgezeichnet und den Kinos komplett digital übermittelt. Damit stellte das Verfahren den bis dato umfassendsten und innovativsten Einsatz von Digitaltechnik in Kinos dar.
Mit der "A Reality Tour" ab 7. Oktober 2003 ging Bowie auf eine der längsten Welttourneen seiner Karriere. Kurz vor ihrem Ende musste er die Tournee jedoch am 25. Juni 2004 in Deutschland auf dem Hurricane-Festival bei Scheessel wegen eines Herzinfarkts im Backstagebereich - nach seinem letzten Song "Ziggy Stardust" - abbrechen. Im damaligen Hamburger Allgemeinem Krankenhaus Altona wurden Bowie daraufhin ein Stent gesetzt. Nach seiner Genesung trat Bowie neben Gastauftritten bei Konzerten von Arcade Fire und David Gilmour zuletzt im Mai 2007 als Kurator des Highline-Musikfestivals in New York in Erscheinung.
Am 8. Januar 2013 - seinem 66. Geburtstag - veröffentlichte Bowie erstmals nach zehn Jahren eine neue Single mit dem Titel Where Are We Now sowie ein Video von Tony Oursler - eine melancholische Hommage an seine Berliner Zeit von 1976 bis 1979. Für den 11. März 2013 kündigte er die Veröffentlichung des neuen Albums The Next Day an.
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