Bernardo Bertolucci (* 16. März 1940 in Parma, Italien) ist ein italienischer Filmregisseur. Zwischen 1962 und 2003 inszenierte er 15 Spielfilme. Sein dem Geheimnis verpflichteter Erzählstil ist oft opernhaft und melodramatisch und lässt Mehrdeutigkeiten viel Raum. Bertolucci inszeniert vielfach Bezugnahmen auf Musik, Malerei und Literatur. Zu seinen meist beachteten Werken gehören Der grosse Irrtum / Der Konformist, Der letzte Tango in Paris, 1900 (Novecento) sowie Der letzte Kaiser. Diese Werke entstanden alle mit seinem langjährigen Kameramann, dem befreundeten Vittorio Storaro, der sie durch seinen spezifischen Ausleuchtungsstil mitprägte.
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Bernardo Bertolucci (* 16. März 1940 in Parma, Italien) ist ein italienischer Filmregisseur. Zwischen 1962 und 2003 inszenierte er 15 Spielfilme. Sein dem Geheimnis verpflichteter Erzählstil ist oft opernhaft und melodramatisch und lässt Mehrdeutigkeiten viel Raum. Bertolucci inszeniert vielfach Bezugnahmen auf Musik, Malerei und Literatur. Zu seinen meist beachteten Werken gehören Der grosse Irrtum / Der Konformist, Der letzte Tango in Paris, 1900 (Novecento) sowie Der letzte Kaiser. Diese Werke entstanden alle mit seinem langjährigen Kameramann, dem befreundeten Vittorio Storaro, der sie durch seinen spezifischen Ausleuchtungsstil mitprägte.
Leben
Herkunft und Jugend
Die Familie wohnte ausserhalb Parmas im ländlichen Dorf Baccanelli, wo der kleine Bernardo viel Kontakt mit den Kindern einfacher Bauern hatte. Seine Mutter war Lehrerin für Literatur, der Vater Attilio war ein landesweit bekannter Dichter und lehrte Kunstgeschichte. Bertolucci kam noch vor dem Schulalter mit Poesie in Berührung, die er alltäglich vermittelt bekam, denn die Gedichte des Vaters rankten sich oft um die häusliche Umgebung. Mit sechs Jahren begann der kleine Bernardo Gedichte zu schreiben. Daneben war der Vater als Filmkritiker für die Gazzetta di Parma' tätig und fuhr regelmässig nach Parma, um sich Filme anzusehen, über die er schreiben sollte. Oft nahm er Bernardo mit, der in der Folge "Parma" mit "Kino" gleichsetzte. Mit 15 Jahren drehte er zwei 16-mm-Amateurkurzfilme.
Als die Familie nach Rom umzog, verlor er die Bezugspunkte und fühlte sich entwurzelt. Er hatte es nun mit Kindern aus dem Kleinbürgertum zu tun: "Was als gesellschaftlicher Aufstieg gedacht war, erlebte ich als Herabstufung des Lebenswandels, denn schliesslich haben die Bauern etwas Älterhergebrachtes und daher Aristokratischeres als das Kleinbürgertum." In den ersten Jahren in Rom lehnte er die Stadt ab. Zum Freundeskreis der Familie zählte dort der Dichter und spätere Filmemacher Pier Paolo Pasolini. Der Vater arbeitete für einen Verleger und half Pasolini 1955, dessen ersten Roman und danach auch Gedichte zu veröffentlichen. Als Belohnung für den erfolgreichen Schulabschluss durfte der junge Bertolucci 1959 einen vollen Monat in Paris verbringen, wo er öfter die Cinémathèque Française aufsuchte. Mit zwanzig habe er den Eindruck gehabt, meinte Bernardo Bertolucci, es sei sehr natürlich, Filme zu drehen. Er brach sein Studium der modernen Literatur an der Universität Rom ab und wurde Regieassistent bei Pasolinis Erstling Accattone. Da Pasolini als Literat im Film unerfahren war und sich dessen Ausdrucksmittel erst aneignen musste, hatte Bertolucci dabei das Gefühl, der Geburt der filmischen Sprache beizuwohnen. Im Jahr darauf veröffentlichte Bertolucci einen Gedichtband, In cerca del mistero, und erhielt dafür bei einem der angesehensten Literaturpreise Italiens, dem Viareggio, die Auszeichnung in der Sektion für das beste Erstlingswerk. Dennoch wandte er sich endgültig von der Schriftstellerei ab.
Familie
Bernardos jüngerer Bruder Giuseppe ist Theaterregisseur. Sein Vetter Giovanni ist Filmproduzent und hat diese Funktion bei einigen seiner Filme wahrgenommen. Bernardo Bertolucci lernte bei der Entstehung von Accattone Adriana Asti kennen, die für die nächsten Jahre seine Lebensgefährtin wurde. Sie spielte in seinem zweiten Spielfilm Vor der Revolution die weibliche Hauptrolle. 1980 heiratete er die britische Drehbuchautorin Clare Peploe.
Politische Haltung
Ähnlich wie mehrere andere bedeutende italienische Filmregisseure auch, darunter Pasolini, Visconti und Antonioni, bekannte sich Bertolucci zum Marxismus. Er erzählte, von Kindheit an Kommunist gewesen zu sein, als er viel Zeit unter Bauern verbrachte. Zunächst aus sentimentalen Gründen; als die Polizei eines Tages einen Kommunisten erschossen hatte, entschied er sich für deren Seite. Er trat jedoch erst 1968 der Kommunistischen Partei Italiens bei. Trotz der marxistischen Einstellung sprach er sich für Individualismus aus. "Die wichtigste Entdeckung, die ich nach den Ereignissen vom Mai 1968 machte, war, dass ich die Revolution nicht für die Armen gewollt hatte, sondern für mich. Die Welt hätte sich für mich ändern sollen. Ich entdeckte den individuellen Aspekt politischer Revolutionen." Er grenzte sich von jenen unter den Marxisten ab, die dem Volk dienen wollen, und fand, es sei dem Volk am besten gedient, wenn er sich selber diene, denn nur dann könne er Teil des Volkes sein. Kino, auch politisches, habe keine politischen Auswirkungen. Ende der Siebziger Jahre drückte er Schuldgefühle aus, sich nicht genügend am Leben der Partei zu beteiligen.
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